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Auftakt der Filmfestspiele Venedig : Mit dem Gondoliere durch die Galaxie

  • -Aktualisiert am

Sandra Bullock als Raumfahrerin in Alfonso Cuaróns Science-Fiction-Fabel „Gravity“ Bild: Warner

Das Internationale Filmfestival von Venedig beginnt mit George Clooney als Ritter des Weltalls. Am Lido durfte der Kinostar sein Wassertaxi selbst steuern.

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          Dass ein anderes Thema die Filmfestspiele mit ihrem genüsslichen Tratsch um Stars und Kassenknüller übertrumpft, hat es im eigentlich so klatschsüchtigen Venedig noch nie gegeben. Doch auch fast zwei Wochen nach dem tragischen Gondelunfall, der einen deutschen Touristen das Leben kostete, als er beim Zusammenstoß mit einem Wasserbus seine kleine Tochter beschützte, ist die Debatte in der Lagune noch voll im Gang. Schließlich bedeutet für Venezianer der Tourismus sehr viel mehr als das Filmbusiness. Und eine Gondel ist nicht nur ein geruderter Fiaker für Schnappschüsse, sondern auch ein veritables Verkehrsmittel, mit dem Menschen auf dem Weg zur Arbeit den Canal Grande überqueren.

          Bei der komplexen Ermittlung, wer die Schuld für den fatalen Zusammenstoß trägt, stehen inzwischen drei Wasserbusfahrer und zwei Gondolieri unter Anklage. Dass der Gondelführer des Toten unter Kokain- und Cannabiseinfluss stand, macht die Sache nicht einfacher und untermauert das betrübliche Image von Italien als Heimat des Comandante Schettino e tutti quanti. Doch wer den chaotischen Bootsverkehr auf Venedigs Kanälen rund ums Jahr miterlebt, der wundert sich eher, dass beim Dauermanövrieren von Ruder- und Motorbooten nicht noch viel mehr Unglücke passieren.

          Autos übernehmen den Lido

          Von Untergang will das Festival naturgemäß nichts wissen - als Fanal des Optimismus und des Glaubens an die Zukunft ist es einst gegründet worden. Darum bemerken jetzt bei mildem Spätsommerwetter die wenigsten der Gäste aus aller Welt die Relikte am improvisierten Mahnmal des Unglücks gleich an der Rialtobrücke: eine venezianische Löwenfahne auf halbmast, samt vertrocknetem Blumenstrauß und einem verbeulten Kinderschuh.

          Und auch der schnell gezimmerte Aktionsplan des Bürgermeisters Orsoni, der den gedrängten Wasserverkehr auf dem Canal Grande durch Verlegung von Haltestellen, Müllabholung bei Nacht, Überholverbot und Geschwindigkeitskontrollen besser regulieren will, dringt nicht bis an den Lido, wo ohnehin die Autos die Macht übernehmen und wie immer bis in die Nacht des Eröffnungsfestes am Laufsteg der Sternchen und an den Kamerabühnen gezimmert wird. Ein Mickey-Mouse-Kurzfilm über einen liebestollen Gondoliere und seine wilden Eskapaden gehört - man konnte es ja nicht wissen - tatsächlich zum diesjährigen Programm und erinnert immerhin daran, dass auch in der Lagune wie überall die Show weitergehen muss.

          Der Medienrummel beginnt mit George Clooney

          Los ging der Medienrummel - und nebenbei auch das Kino - gestern mit der Leinwand-Ikone George Clooney, der Italiens Gewässer ohnehin gern beschippert und der sein Wassertaxi gegen jede Vorschrift diesmal kurz selbst chauffieren durfte - glücklicherweise ohne weitere Zwischenfälle. Wie könnte man diesem Bild von einem Mann auch das Steuerruder verweigern, wenn er sogar havarierende Raumschiffe wundersam durch Meteoritenhaufen zu steuern versteht? „Gravity“, erdacht vom mexikanischen Regisseur Alfonso Cuarón und seinem Sohn Jonas, ist einer dieser hochprofessionellen Katastrophenfilme, die im Kielwasser der Computerspieler immer perfektere Explosionen, Trümmerschwärme und Feuerwalzen auf ihr Publikum loslassen.

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