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Aufschrei in Amerika : Erbsen raus!

Guacamole mit Erbsen Bild: http://www.buzzfeed.com/stephaniemcneal/pea-guacamole#.uuJVN4ZR8

Allen Ernstes hat die New York Times auf ihrer beliebten Rezeptseite Erbsen als Zutat für die Guacamole empfohlen. Da schrie nicht nur Obama auf. Der Kampf um die Rezeptreinheit einte Amerika zum Nationalfeiertag.

          Was gehört in eine gute Guacamole? Avocado natürlich, das ist der Grundstoff. Zitrone, etwas Olivenöl, Salz, Pfeffer, Koriander. Knoblauch, sehr fein gehackt, weiße oder rote Zwiebeln, kleingewürfelte Tomatenstückchen, ebenso zerkleinerte Paprika und Chili oder Jalapeño - letztere Zutaten wahlweise, das mexikanische Original setzt auf dezente Schärfe. Aber Erbsen? No way, sagen die Leser der „New York Times“, welche selbige Hülsenfrüchte als Beigabe empfohlen hat. Sie sorgten für „intensive Süße und stückige Struktur“ und verhinderten, dass sich die Guacamole unappetitlich braun färbe.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Dafür aber ist nach Ansicht der Kenner die Zitrone oder Limette zuständig und nicht ein Erbsenpapp. „Stoppt den Guacamole-Wahnsinn jetzt. Erbsen raus!“, twittert ein Verband der Avocado-Züchter. Köche, Food-Blogger und Leser laufen im Internet Sturm, und sogar der amerikanische Präsident Barack Obama hat sich eingeschaltet. Er setzt auf „Zwiebeln, Knoblauch, Chilischoten“ - eben die „Klassiker“. Wir erinnern uns bei der Gelegenheit an seinen Amtsvorgänger George H. W. Bush (der Ältere) und dessen Brokkoli-Phobie.

          Wohl dem Land, möchte man sagen, das sich mit angemessener Ironie über einen Dip echauffieren kann, dessen Rezeptur auf die Azteken im vierzehnten Jahrhundert zurückgehen soll und als mexikanische Beigabe den American way of life bereichert. Der wird am heutigen Unabhängigkeitstag gefeiert, und beim traditionellen Barbecue ist Guacamole als side dish durchaus gefragt. Und eben nicht Erbsenpüree, zu dem wir persönlich eher Minze und nicht Chili empfehlen.

          Und Finger weg von der Grünen Soße!

          Was hat sich die „New York Times“ bloß bei diesem Frevel gedacht? Haben die was an der Erbse? Vielleicht steckt hinter der Provokation des Guacamole-Standoffs ja auch ein freundliches Kalkül. Die Amerikaner haben größere Probleme etwa mit dem Rassismus im eigenen Land, und sie haben Grund zu fürchten, dass Islamisten sich den 4. Juli als möglichen Tag des Terrors markiert haben, die Sicherheitsdienste werden nicht müde, davor zu warnen.

          Doch heute stellen sich die Amerikaner an den Grill, legen Steaks, Spare Ribs und Burger auf und das Bier kalt. Der eine oder andere rührt Guacamole, traditionell bitte. Im Fall einer ähnlichen Erbsen-Idee für die Frankfurter Grüne Soße möchten wir übrigens bereits jetzt entsprechende politische Proteste fordern, mindestens des Oberbürgermeisters und der Hessischen Landesregierung. Erbsen raus!

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