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Gehälter bei der BBC : Aufschlag Damen

  • -Aktualisiert am

Martina Navratilova bei den Laureus Sports Awards im Februar Bild: EPA

Martina Navratilova soll außer sich gewesen sein, als sie erfahren hat, wie viel John McEnroe als Wimbledon-Kommentator der BBC verdient.

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          Im vergangenen Jahr sah sich die BBC dazu gezwungen, die Gehälter seiner bestverdienenden Mitwirkenden zu enthüllen, womit alle jene gemeint waren, deren Lohn mehr als 150.000 Pfund beträgt. Auf der Liste wurde der ehemalige Tennisspieler in der untersten veröffentlichten Gehaltsgruppe der zwischen 150.000 und 199.000 Pfund Verdienenden aufgeführt. Übers Jahr gerechnet, hätte McEnroe wohl einige Kategorien übersprungen, denn seine Arbeit für die BBC nimmt bloß die zwei Wochen des Tennisturniers in Anspruch. Der Name Navratilova fehlte.

          Die tschechisch-amerikanische Tennislegende behauptet in einer Untersuchung der BBC-Sendung „Panorama“ mit dem Titel „Der britische Lohngleichheitsskandal“, sie erhalte für ihre Wimbledon-Kommentare einen Bruchteil von McEnroes Honorar. Sie unterstellt der BBC, sie belogen zu haben mit der Versicherung, ihr das gleiche Geld zu bezahlen wie Männern bei vergleichbarer Arbeitsleistung. In der Sendung wiederholt sie die Litanei von Klagen, die immer wieder ins Feld geführt werden, wenn das heikle Thema Lohnungleichheit aufkommt. Martina Navratilova schreibt die „schockierende“ Diskrepanz dem Fortbestehen männlicher Seilschaften zu und meint außerdem, Männerstimmen würden mehr geschätzt als Frauenstimmen – es sei denn, McEnroe mache „jede Menge anderer Sachen“ außerhalb von Wimbledon, dann bekomme er mindestens zehn Mal so viel wie sie.

          Offenkundig ist Martina Navratilova überzeugt, dass dies nicht zutrifft. Dabei scheint das einschränkende „es sei denn“, das sie sarkastisch einschob, entscheidend zu sein. Denn nach Aussage der BBC habe McEnroe im vergangenen Jahr beim Wimbledon-Turnier etwa dreißig Auftritte gehabt, während Martina Navratilova nur zehn Mal erschienen sei. Tennis ist für die Geschlechterdebatte besonders sensibilisiert: Es hat Jahre gedauert, bis Tennisspielerinnen ihre Forderung durchsetzten, bei den großen Turnieren das gleiche Preisgeld wie Männer zu erhalten. Bis dahin galt das Argument, dass im Damentennis maximal drei Sätze, beim Herren-Einzel hingegen bis zu fünf Sätze gespielt werden. Bis heute wird das Prinzip der gleichen Preisgelder von einigen Spielern wie dem Serben Novak Djokovic angefochten, der es wagt zu behaupten, dass männliche Tennisprofis mehr Zuschauer anziehen und mehr Karten verkaufen.

          Die BBC hat viel Schimpf auf sich gezogen wegen der Gehaltslücke zwischen den höchstbezahlten männlichen und weiblichen Angestellten. Bis April sind alle britische Organisationen mit mehr als 250 Mitarbeitern dazu verpflichtet, genaue Zahlen über die Gehaltslücke zwischen ihren männlichen und weiblichen Angestellten zu veröffentlichen. Der Fall Navratilova zeigt, wie die Statistiken verzerrt werden können, wenn Äpfel mit Birnen verglichen und ungleiche Voraussetzungen außer Acht gelassen werden.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

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