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Aufruf-Initiatoren erklären ihre Strategie : Fukushima II

  • -Aktualisiert am

Sie sehen sich als Teil einer Bewegung, und sie wollen ein Gefühl wecken für das Unrecht, das in der Ausspähung privater Daten liegt: In Berlin erklären die Autoren des Schriftstelleraufrufs ihre Strategie.

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          Der Aufruf der Schriftsteller zur Verteidigung der Demokratie im digitalen Zeitalter, den diese Zeitung zusammen mit anderen internationalen Blättern an diesem Dienstag veröffentlicht hat, kommt nicht aus heiterem Himmel. Schon vor vier Jahren haben Juli Zeh und Ilija Trojanow, zwei der Initiatoren, in einem Manifest vor dem Abbau bürgerlicher Rechte im weltweiten Kampf gegen den Terror gewarnt, und im vergangenen Sommer gehörten sie zu den Mitunterzeichnern eines offenen Briefs, mit dem die Bundeskanzlerin aufgefordert wurde, auf die Enthüllungen Edward Snowdens zur Abhörpraxis der Geheimdienste politisch zu reagieren. Dennoch könnte der Schritt, den Zeh und Trojanow und fünf weitere Schriftsteller jetzt mit ihrem Aufruf getan haben, der entscheidende sein. Denn diesmal globalisieren sie ihr Anliegen: Sie wenden sich an die Weltöffentlichkeit.

          Don DeLillo, Orhan Pamuk, Michael Ondaatje, Ian McEwan, Günter Grass, Arundhati Roy und viele andere haben unterschrieben, Umberto Eco und Tom Stoppard, so hieß es am Dienstag im Berliner Haus der Bundespressekonferenz, wo das Projekt vorgestellt wurde, wollten ebenfalls unterzeichnen, so wie Tausende Mitglieder des internationalen PEN-Clubs, an die der Brief an diesem Tag versendet werde.

          Kombination aus Reizwörtern

          Der Ball rollt also; was gibt es, über den Text des Manifests hinaus, noch zu sagen? Zum Beispiel, dass sich die Schriftsteller, wie es Trojanow formulierte, als Teil einer Bewegung sehen, also nicht als elitärer Haufen, der nur seine eigenen Interessen verteidigt; oder dass sie, wie Eva Menasse sagte, zuallererst ein Gefühl für das Unrecht wecken wollen, das in der Ausspähung privater Daten liegt. Das Entscheidende aber sagte einmal mehr Juli Zeh: Wenn es gelänge, mit dem Aufruf „ein digitales Fukushima zu erzeugen“, dann werde Angela Merkel „unsere erste Datenschützerin sein im Land“.

          Man beachte die Kombination der Reizwörter „Fukushima“ und „Merkel“. Sie bezeichnen ein Reiz-Reaktions-Schema, das vor zwei Jahren perfekt funktioniert hat: erst der Atomunfall, dann der öffentliche Druck, zuletzt der Ausstiegsbeschluss. Diesen Hebel wollen die Schriftsteller nun auch beim Datenschutz ansetzen. Ob das gelingt? Schließlich stehen die Überwachungsprogramme nicht so klotzig in der Landschaft herum wie Atomkraftwerke. Was es braucht, sind Anschauung, Erfahrungen, Geschichten. Vielleicht sollte man doch auch noch ein paar Bücher zum Thema schreiben.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

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