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Erstausgabe der Politischen Zeitschrift (PZ) von 1971 Bild: bpb

Politische Bildung : Provokationen aus dem Schmähkästchen

  • -Aktualisiert am

Das publizistische Postbeamten-Experiment: Wie die Bundeszentrale für politische Bildung einmal Aufklärung mit den Mitteln der Boulevardpresse betrieb.

          6 Min.

          Wir sind die Sklaven der Nation“, schrie die fett gedruckte Schlagzeile ihre Leser an. Etwas kleiner: „Hausfrau: Ein mieser Job“, und: „Küche, Kinder, Krise“. PZ nannte sich das Boulevardblatt, das vor fünfzig Jahren plötzlich zu Hunderttausenden kostenlos in Nahverkehrszügen, Schulen und öffentlichen Gebäuden auslag. Anders als die Bild-Zeitung oder Express erschien die PZ im teuren Tiefdruck. Auf dem Titel prangte das Farbfoto eines ungleichen Paares: ein nackt auf dem Boden kauernder Mann in Unterwerfungshaltung, von einer schwarz gekleideten Frau an der kurzen Hundeleine geführt. Bildunterschrift: „Wirklichkeit von morgen?“ Es war nur der Auftakt einer von Charles Wilp fotografierten Bildstrecke, an deren Ende sich die Verhältnisse umgekehrt hatten.

          Im Jahr 1971 war das alles unerhört: ein ganzes Heft, das sich Geschlechterrollen ebenso widmete wie der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, erfolgreichen Frauenkarrieren, frauenpolitischem Aktivismus oder der sexuellen Revolution („Die Pille hat die Frauen befreit“) – das alles wohlgemerkt noch vor dem Bekenntnis „Ich habe abgetrieben“, das Simone de Beauvoir und 342 Französinnen drei Monate später im Nouvel Observateur veröffentlichen sollten, dem vielleicht wichtigsten Symbol für die politische Agenda der neuen Frauenbewegung.

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