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Kommentar : Nicht deren Bier

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Erinnerung an den Holocaust: Die KZ-Gedenkstätte Buchenwald. Bild: dpa

Die SPD-Politikerin Sawsan Chebli will Pflichtbesuche in KZ-Gedenkstätten durchsetzen. Für Deutsche und für Migranten – aber was soll das bringen?

          Die „Bild am Sonntag“ lag im Prinzip richtig: „SPD-Politikerin fordert Pflichtbesuch im KZ für Deutsche und Migranten“. Die Berliner Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales, Sawsan Chebli, gebürtige Berlinerin und gläubige Muslima, wird mit den Worten zitiert, „KZ-Besuche“ sollten „zum Bestandteil von Integrationskursen werden“. Eine Steilvorlage für Häme, die aus manchem hasserfüllten Tweet sprach: „Staatssekretärin fordert Pflicht-KZ-Besuch für Asylbewerber: Ich war schon immer für Internierungslager, dass mir aber jetzt auch noch Chebli beipflichtet.“

          Natürlich ging es Chebli um den Besuch von Gedenkstätten. Schon einmal hatte sie kundgetan, dass deutsche Muslime mitverantwortlich dafür seien, die Verbrechen der NS-Zeit aufzuarbeiten. Wie das konkret aussehen soll, erfuhr man nun am Wochenende: „Ich fände es sinnvoll, wenn jeder, der in diesem Land lebt, verpflichtet würde, mindestens einmal in seinem Leben eine KZ-Gedenkstätte besucht zu haben.“ Das gelte auch für jene, „die neu zu uns gekommen sind“. Aber wie viele Deutsche mag es geben, die keine KZ-Gedenkstätte aufgesucht haben und sich trotzdem der Schuld vergangener Generationen sowie der Verantwortung heutiger Generationen gegenüber der nationalsozialistischen Vergangenheit bewusst sind? Und müssen umgekehrt Menschen, die aus anderen Ländern zu uns gekommen sind, sich wirklich in gleicher Weise für unsere Geschichte verantwortlich fühlen wie wir? Haben sie nicht das Recht auf ihre eigene Geschichte? Und bedeutet Integration nicht gerade, dass in beiderseitigem Prozess der Horizont des einen sich öffnen soll für den Horizont des anderen?

          Schließlich: Selbst wenn der Gedenkstättenbesuch verpflichtend eingeführt würde: Was erhofft Chebli sich davon? Muslimische Flüchtlinge, auf die sie sich offenkundig bezieht, kommen überwiegend aus krisengeschüttelten Ländern und Kriegsregionen. Da mag sie Zeitgeschichtliches erst einmal weniger interessieren. Erst recht aber wird es sie nicht dazu bewegen, ihre Haltung gegenüber Juden zu ändern. Antisemitismus hat viele Gesichter und unterschiedliche Wurzeln. Ihm ist kaum beizukommen, indem politische Aufklärungskonzepte aus der deutschen Nachkriegszeit auf Geflüchtete dieser Tage übertragen werden.

          Hannah Bethke

          Feuilletonkorrespondentin in Berlin.

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