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Aufblende : „Rembrandt“: Der Maler als verdüstertes Genie

  • Aktualisiert am

Als Rindfleisch noch was taugte: „Rembrandt” im Filmstudio Bild: Humbert Balsan

Der Film „Rembrandt“, mit Klaus Maria Brandauer in der Titelrolle, präsentiert den Künstler als überspanntes und theatralisches Genie.

          Was hätte das für ein Film werden können! Namhafte Schauspieler, darunter Klaus Maria Brandauer in der Titelrolle, ein Budget von 20 Millionen Mark und als Thema das turbulente Leben eines berühmten Künstlers. Der französische Regisseur Charles Matton hat daraus einen Film gemacht, der das Bild des Künstlerstars des 17. Jahrhunderts, Rembrandt van Rijn, verrätselt und verzerrt.

          Der Film beginnt mit einem Blick auf den Maler in fortgeschrittenem Alter. Unermüdlich mischt Rembrandt Farben auf seiner Palette. Dann folgt ein Tobsuchtsanfall. Der Maler wirft Pinsel und Farben weg und fegt Leinwände vom Tisch. Das Getöse verängstigt die lauschenden Mägde; die jüngere von beiden stürzt die Treppe hinauf, um sich nach dem Wohlergehen des Meisters zu erkundigen. Sie nutzt die Gelegenheit, ihre körperlichen Vorzüge als Trost anzubieten. Rembrandt verscheucht die Magd, indem er ihr mit der aggressiven Geste eines Exhibitionisten seinen alternden Körper zeigt.

          Rembrandt van Rijn lebte in einem Jahrhundert, das ökonomisch motivierter kaum hätte sein können. Die Malerei in den Niederlanden des Goldenen Zeitalters war ein Geschäft, das mit kühlem Verstand betrieben wurde. Doch theatralisch überzeichnet Charles Matton den größten Porträtisten seiner Zeit. Er zeigt den Maler als verdüstertes Genie - und verrät dabei, wie sehr sein Künsterbild vom Geniebegriff des 19. Jahrhunderts geprägt ist. Ein Künstler, der sich kein Ohr abschneidet, sondern routiniert und mit einem großen Stab von Gehilfen fast fabrikmäßig Bilder malt, erschien ihm wohl nicht spektakulär genug.

          Genies unter sich

          In zahlreichen Rückblenden wird das Leben Rembrandts als bunter Bilderbogen aufgeblättert. So wie die Hausangestellten ehrfürchtig raunen, wenn von dem Maler die Rede ist , so erstarrt auch der Film in Ehrerbietung vor seinem Sujet. Entsprechend reichen Rembrandts Erinnerungen zwar bis zur elterlichen Mühle zurück, die Lehrjahre bei Pieter Lastmann werden aber ausgeblendet.

          Matton ist vollauf damit beschäftigt, in jeder Szene mindestens ein wissenswertes Detail aus Rembrandts Biografie und ein Gemälde von ihm unterzubringen. Da bleibt für so etwas wie eine Geschichte oder Charakterzeichnung von Figuren kein Raum. Nur den Kenner erfreut es, dass das Licht ins Zimmer fällt, als wäre es von Vermeer auf die Leinwand gebannt. Dass der Kachelfußboden, auf dem der Künstler mit seiner Haushälterin kopuliert, von Pieter de Hooch stammen könnte.

          Eine Enttäuschung nach der anderen

          Dramatisch zeichnet der Regisseur die Schicksalsschläge seines Lebens nach: Frau und Kinder sterben, Rembrandts Besitz wird verschleudert, weil er sich durch sein freies Leben in der öffentlichen Meinung moralisch beschmutzt hatte. Der Bankrotteur bleibt dennoch ein guter Mensch und zeigt sich als resoluter Feind aller Rassisten. Später sterben sein Affe, Geliebte Nummer Drei, dann sein Sohn und schließlich er selbst.

          Bevor der Regisseur van Gogh das Schlusswort erteilt, leistet er sich noch einen finalen Ausrutscher und lässt Rembrandts Tochter Cornelia in Nahaufnahme vor kaum bewölktem Himmel laufend rufen „Rembrandt ist tot, Rembrandt ist tot“. „Die Menschen glauben was sie sehen“, sagt der altersweise Künstler ganz zu Beginn des Filmes. Um nicht vom Glauben abzufallen, schließt man bei „Rembrandt“ besser die Augen.

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