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Aufblende : „Der Schneider von Panama“ - 007 flirtet mit seinem Image

  • -Aktualisiert am

Schneider und Spion Bild: dpa

Im Film „Der Schneider von Panama“ nach dem Drehbuch des Spionage-Autors John Le Carré wird von Anfang bis Ende geschwindelt.

          2 Min.

          John Boormans "Der Schneider von Panama", eine irisch-britische Produktion, lässt auf vergnügliche Weise in der Schwebe, wer wem wann auf die Schliche kommt oder eben nicht.

          Der Name hat nicht den magischen Klang von Casablanca. Aber ein wenig Atmosphäre zwischen den Welten ist in Panama mit seinem Kanal, der Nordamerika von Südamerika scheidet, schon zu spüren.

          Wendig

          Für den MI6-Agenten Andy Osnard, einen Mann mit Fehl und Tadel, kommt es einer Verbannung gleich, dahin versetzt worden zu sein. Kein Wunder, dass ihn der Hafer sticht und er seine Vorgesetzten mit den verlangten Spionage-Erkenntnissen üppig einzudecken beschließt.

          Ein willfähriger Edelschneider, bei dem die Honoratioren wie die Staatsdiener ihre Anzüge fertigen lassen, kommt ihm da als Gewährsmann gerade recht. Schließlich nennt dieser Harry Pendel nicht nur eine äußerst wendige Fantasie sein eigen, sondern verbirgt auch eine nach Strich und Faden erfundene Vita.

          "Pendel & Braithwaite" gründet mitnichten auf ein Stammhaus in der Londoner Savile Row, sondern auf einen gewöhnlichen Versicherungsbetrug, und Pendel selbst hat im Gefängnis gelernt, worauf seine Talente bestens zugeschnitten sind. Der Mann, eine redliche Seele, ist erpressbar und Andy Osnard, ein Gauner vom Scheitel bis zur Sohle, am Ziel seiner Wünsche. Allerdings entwickelt das, was über die revolutionäre Bewegung namens "Schweigende Opposition" und ministerielle Absichten, nach London gemeldet wird, eine Eigendynamik, welche die beiden Schwindler kaum mehr beherrschen können.

          Unbändig

          Dass Pierce Brosnan den windigen Agenten mit dem unwiderstehlichen Appeal bei Frauen verkörpert und dabei mit einem Zwinkern auf sein James-Bond-Image eine gute Prise Ironie ins Geschehen mengt, kommt der Geschichte sehr gelegen. Diese allerdings ist von Anfang bis Ende absehbar und gewinnt nur durch die Eleganz der Inszenierung.

          Als sei John le Carré, der gemeinsam mit dem Regisseur John Boorman für das Drehbuch nach einem eigenen Roman zuständig ist, unversehens bei Graham Greene in die Lehre gegangen, gehen die Spione - nicht länger aus der Kälte kommend - mit unbändiger Fabulierlaune ans Werk. Und Geoffrey Rush, eben noch in Philip Kaufmans "Quills" ein zu Tode gepeinigter Marquis de Sade, ist ein tapferes Schneiderlein, dem schon zwei auf einen Streich eigentlich über die Kräfte gehen.

          Harmlos

          Genau das richtige Programm zur Entspannung, mögen die Verantwortlichen der Berlinale gedacht haben, als sie den Film im Anschluss an Ridley Scotts "Hannibal" zeigten, der mit seiner Packung Unappetitlichkeit und Gewalt die Debatte wieder anstieß, warum man sich derlei eigentlich freiwillig anschauen soll. Es ist dies allerdings eine Frage, auf die auch, wenn man sie ihm stellte, John Boormans Film in seiner ganzen Harmlosigkeit keine Antwort wüsste.

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