https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/audi-a8-rbb-intendantin-schlesinger-in-kritik-wegen-luxus-dienstwagen-18219073.html
Tobias Piller (tp.)

Schlesingers Dienst-Audi : 435 PS

  • -Aktualisiert am

Schnittig: der Audi A8 L. Bild: Helge Jepsen

Patricia Schlesinger steht wegen zahlreicher Punkte in der Kritik. Auffällig ist auch ihr Dienstwagen mit Massagesitz. Das ist in Sachen Sonderausstattung aber längst nicht alles.

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          Für die Intendantin des Rundfunks Berlin Brandenburg wird nun auch ein luxuriöser Dienstwagen zur Affäre. Dabei sind repräsentative Dienstgefährte im Land von Audi, BMW und Mercedes ganz normal, selbst für Bürgermeister mittelgroßer Städte oder Landräte. Die Au­tos dürfen groß sein, aber Schlag­zeilen um die Autowahl sollten Amts­inhaber vermeiden.

          Für die RBB-Intendantin läuft die Diskussion in die entgegengesetzte Richtung. Der Verdacht entstand, sie habe bei der Be­stellung des Autos über die Stränge ge­schlagen. Von belüfteten Massagesitzen ist in Berichten über den Dienst-Audi A8 die Rede. So etwas gibt es bereits bei Volkswagen oder Skoda in der Mittelklasse: wenn für wenig mehr als 400 Euro orthopädische Sitze geordert werden, können die auch massieren. Da werden nacheinander die Luftkissen der Kreuzstütze befüllt, und es gibt einen massierenden Effekt. Eine „Basic“-Behandlung, die manchmal 200 Euro extra kostet.

          Der „Ruhesitz“ für hinten

          Doch beim luxuriösen Audi geht es oft um mehr. Eine Preisliste für den Audi A8 – die derzeitige umfasst 130 Seiten – hält viele Versuchungen bereit: Da gibt es zum Aufpreis von 9700 Euro den „Ruhesitz“ für hinten, „Komfort-Individualkontursitze mit Ruhesitz-Funktion für den Fondpassagier auf der Beifahrerseite“. Zum Ausstrecken der Beine oder für ein entspannendes Nickerchen. Das Lu­xusdetail besteht darin, dass eine gestresste Managerin mit diesem Pa­ket die Fußsohlen an der Rückenlehne des davorstehenden Beifahrersitzes massiert bekommen kann. Voraus­setzung ist, dass hinten zwei Einzelsitze installiert werden, für den Auf­preis von 2445 bis 8205 Euro.

          Warum nicht ein Transporter?

          Ob diese Ausstattung in Schlesingers Dienst-Audi enthalten ist, war bisher nicht zu er­fahren. Die RBB-Presseabteilung antwortete nicht auf Fragen zu Fakten rund um den Dienst-Audi. Etwa zur Motorisierung. Bis 2020 hat Audi als Spitzendiesel einen Achtzylinder mit 435 PS (320 kW) eingebaut, mit Be­schleunigung von 0 auf 100 Stundenkilometer in 4,4 Sekunden und rie­siger Durchzugskraft (Drehmoment) von 900 Newtonmetern, dreimal so viel wie der nicht gerade schwache Standard-Diesel des VW-Konzerns mit 2 Litern Hubraum. Ob es nicht der 200 Kilogramm leichtere Sechszy­linder-Diesel mit 286 PS (210 kW) ge­schafft hätte, die Intendantin standesgemäß zu transportieren?

          Über ihre ge­nauen Transportbedürfnisse gibt der RBB keine Auskunft. Sicher gibt es Unternehmer, die mit eige­nem Geld ein luxuriös gestaltetes Dienstgefährt erwerben, um nach langen Fahrten zu Kunden und Mitarbeitern erholt auszusteigen. Bei einem öffentlich-rechtlichen Sender, der von Ge­bühren lebt und freie Mitarbeiter auf Sparzwänge verweist, gibt es größeren Legitimationsbedarf. Als rollendes Bü­ro funktioniert schließlich ein Transporter von VW oder Mercedes besser. Die sind mit ledernen Einzelsitzen auch nicht gerade preiswert, aber besser geeignet zur Arbeit am Computer unterwegs. Oder wollte die Intendantin eher repräsentieren beim Vorfahren und Aussteigen für mon­däne Anlässe in Berlin? Diesen Zweifel hat sie gesät, als ihr kürzlich selbst die Fahrt zu einer Anhörung im Land­tag von Potsdam schon zu weit schien.

          Tobias Piller
          Redakteur in der Wirtschaft.

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