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Atwoods neuer Roman : Die Unterdrückung geht weiter

  • -Aktualisiert am

Mit Elisabeth Moss in der Hauptrolle wurde „Der Report der Magd“ erfolgreich auch fürs Fernsehen verfilmt. Bild: Hulu

England wartet auf die Buchpremiere des Jahres: Anfang September erscheint der neue Roman von Margaret Atwood, eine Fortsetzung ihres Erfolgsbuchs „Der Report der Magd“. Schon jetzt ist das Spektakel groß.

          Unter strengsten Geheimhaltungsauflagen rüstet sich der britische Buchhandel für das Erscheinen von „The Testaments“, der Romanfortsetzung von Margaret Atwoods 1985 erschienenem Weltbestseller „Der Report der Magd“. Er wird am 10. September in mehreren Ländern gleichzeitig veröffentlicht, darunter auch in Deutschland als „Die Zeuginnen“. Die bald achtzig Jahre alte kanadische Autorin will in London zu Beginn einer Lesereise dem aufwendig inszenierten Ereignis selbst beiwohnen, das in England als die Buchpremiere des Jahres bezeichnet wird: Am 9. September wird Margaret Atwood im Flaggschiff der britischen Buchhandelskette Waterstones in Piccadilly im Anschluss an einen Abend mit Podiumsdiskussionen, Lesungen und interaktiven Aktionen mit Autoren und Besuchern kurz vor Mitternacht den Anfang von „Die Zeuginnen“ lesen.

          Wie bereits bei „Harry Potter“, Harper Lees „Gehe hin, stelle einen Wächter“ und Philip Pullmans „Über den wilden Fluss“ planen zahlreiche britische Buchhandlungen zum Verkaufsbeginn Veranstaltungen und Mitternachtsöffnungen. Am Abend des 10. Septembers wird dann eine Fragestunde mit Margaret Atwood aus dem Londoner National Theatre in mehr als tausend Kinos weltweit direkt übertragen. Über ein solches Spektakel kann man viel leichter sprechen als über den Inhalt der Fortsetzung des „Reports der Magd“, der 1985 eine mit erstaunlicher Voraussicht gezeichnete Dystopie einer Diktatur entwarf, in der Frauen unterjocht werden. Es ist nämlich lediglich bekannt, dass die Fortsetzung fünfzehn Jahre später ansetzen und von drei weiblichen Figuren erzählt wird.

          Der Kreis der Eingeweihten ist auf das notwendige Minimum beschränkt worden, sämtliche an der Produktion des Buchs Beteiligte mussten sich zum Stillschweigen verpflichten. Der britische Verlag verrät auch nicht, unter welchen Umständen die Mitglieder der Booker-Preisjury den Roman lesen konnten, den sie auf ihre Longlist gesetzt haben. Die Rede ist lediglich wieder von „extremen Verschwiegenheitserklärungen“. Am 3. September werden die Juroren verraten, ob „The Testaments“ es auch in die letzte Runde des Preises geschafft hat. Der Erfolg der Fernsehverfilmung von „Der Report der Magd“ in drei Staffeln hat dem zweiten Teil freilich zusätzliche Aufmerksamkeit verschafft; eine vierte Staffel ist dieser Tage angekündigt worden. Der Roman ist dadurch ein derartiges Phänomen geworden, dass sich die blutroten Roben und die weißen Hauben der Mägde in der Frauenbewegung als Symbol für patriarchalische Unterdrückung durchgesetzt haben. Eigentlich müssten nun auch die Verlagsmitarbeiter solche Roben tragen, weil sie sich als Meister der Unterdrückung von Informationen erwiesen haben.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

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