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Albert Uderzo ist tot : Abschied vom Schöpfer des kleinen gallischen Dorfes

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In der Nationalbibliothek

2008 verkauften Uderzo sowie Anne Goscinny ihre Anteile (vierzig und zwanzig Prozent) an Éditions Albert René an die Verlagsgruppe Lagardère, die über ihre Tochter Hachette den Vertrieb der Asterix-Alben besorgt. Uderzo zog sich damit weitgehend aus der unternehmerischen Verantwortung für die Vermarktung von Asterix und der Herstellung künftiger Alben zurück. Seine Tochter Sylvie, von 2001 bis 2008 Generaldirektorin der Éditions Albert René, weigerte sich, ihren Vierzig-Prozent-Anteil zu verkaufen: Sie sehe das „Überleben eines künstlerischen Werkes“ bedroht und kämpfe gegen die „schlimmsten Feinde“ von Asterix, ihrem „Bruder auf dem Papier“: „die Männer der Industrie und der Finanzwelt“. Deshalb plädierte sie – anders als ihr Vater – dafür, Asterix nicht von anderen fortsetzen zu lassen. Im März 2009 verurteilte ein Pariser Gericht Édition Albert René zur Zahlung von 270.000 Euro Entschädigung an Sylvie Uderzo, da ihre Entlassung als Generaldirektorin nicht gerechtfertigt gewesen sei. Im September 2011 gaben französische Medien bekannt, Uderzo habe den Comic-Autor Jean-Yves Ferri als seinen Nachfolger benannt. Dieser sollte gemeinsam mit Frédéric Mébarki, der bereits für die letzten Alben Reinzeichnungen und Kolorierungen getätigt hatte, die „Asterix“-Reihe fortsetzen.

2013 reichte Uderzo vor einem Gericht in Paris eine Klage ein, in der er Tochter Sylvie und deren Ehemann beschuldigte, ihn und seine Frau Ada durch fortwährende rechtliche Auseinandersetzungen zu schwächen. Dem war eine Anzeige von Sylvie Uderzo 2011 vorausgegangen, in der sie dem Umfeld ihres Vaters vorwarf, sein hohes Alter zur Vorteilsgewinnung auszunutzen. Im Oktober desselben Jahres erschien in 23 Ländern der 35. Asterix-Band mit dem Titel „Asterix bei den Pikten“. Es war der erste Band ohne Beteiligung von Uderzo und ist von Jean-Yves Ferri und - nachdem Mébarki an den Anforderungen gescheitert war – dem Zeichner Didier Conrad produziert worden. In ihm finden die Bewohner des wohl bekannten gallischen Dorfes einen seltsamen Fremden in einem Eisblock am Strand, den Asterix und Obelix in seine Heimat Schottland begleiten. Ebenfalls 2013 wurde in der Bibliothèque Nationale de France unter dem Titel „Astérix à la BNF!“ eine Ausstellung über die Comicfigur Asterix und deren Schöpfer eröffnet und beim 40. Comicfestival in Angoulême in einer Ausstellung mit dem Titel „Uderzo in extenso“ eine Werkschau von Uderzo gezeigt.

2015 kam schließlich der 36. Asterix-Band mit den Titel „Der Papyrus des Caesar“ auf den Markt, in dem die Gallier im Internetzeitalter ankommen, 2017 folgt „Asterix in Italien“, im vergangenen Jahr schließlich „Die Tochter des Vercingetorix“.

Uderzo starb im Alter von 92 Jahren, wie seine Familie an diesem Dienstag mitteilte, an einem Herzinfarkt.

Der französische Kulturminister Franck Riester reagierte mit einem Tweet auf die Nachricht: Albert Uderzo habe selbst „das Rezept für einen Zaubertrank gefunden: einen lachenden Geist, einen unermüdlichen Bleistiftstrich, eine unerschütterliche Partnerschaft mit Goscinny und Stunden der Arbeit“. Uderzo zeichne aus, akzeptiert zu haben, dass seine Helden ihn überleben würden – zum Glück für das Publikum.

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