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Albert Uderzo ist tot : Abschied vom Schöpfer des kleinen gallischen Dorfes

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Er kommt von Cervantes

Zur tiefsten Zäsur der Entwicklung wurde der Tod Goscinnys im Alter von 51 Jahren während eines medizinischen Belastungstests 1977. Der bisher im Hintergrund stehende Uderzo sah zunächst „keine Zukunft für Asterix“ mehr, setzte aber auf vielfachen Wunsch das Werk schließlich fort und gründete 1979 zusammen mit Goscinnys Tochter Anne die Éditions Albert René, wo seitdem die „Asterix“-Abenteuer verlegt wurden. 1980 erschien dort der erste nur von Uderzo erstellte Band „Der große Graben“, weitere acht Bücher folgten in Abständen von nunmehr vier bis fünf Jahren, da Uderzo die Arbeit des Textens und Zeichnens – von den Skizzen bis zur fertigen Reinzeichnung jedes einzelnen Bildes – alleine bewältigen musste. In den 33. Band „Gallien in Gefahr“, der 2005 europaweit in einer Erstauflage von acht Millionen Exemplaren startete, ließ Uderzo erstmals seine politische Überzeugung einfließen, unter anderem die Abneigung gegen George W. Bushs „skandalöse“ Politik.

Wie die anderen allein von Uderzo verantworteten Bände stieß auch dieser auf Kritik. Uderzo verteidigte sich mit dem Hinweis, sein Humor sei mehr von der typischen Komik eines Cervantes geprägt. Im Oktober 2009 wurde in fünfzehn Ländern zum 50. Geburtstag von Asterix der 34. Band „Das goldene Buch“ auf den Markt gebracht, begleitet von Konzerten, Ausstellungen und der Herausgabe einer französischen Sonderbriefmarke.

Kampf um Autorenrechte

Der Erfolg führte Asterix auch zum Film und ermöglichte seine Kommerzialisierung. Da ein erster Streifen ohne Wissen der Autoren erschienen war, gründeten diese 1974 ihr eigenes Zeichentrick-Filmstudio „Idefix“ in Paris, das vier Jahre später aufgrund der schlechten Auftragslage schließen musste, und produzierten dort unter anderem „Asterix erobert Rom“ und einen Lucky-Luke-Film. Die populären, von Kritikern aber wenig gelobten Zeichentrickfilme adaptierten einzelne Asterix-Bände oder stellten Collagen verschiedener Geschichten dar. Beratend beteiligte sich Uderzo auch an den Spielfilm-Realisierungen „Asterix und Obelix gegen Cäsar“ (1999), „Asterix und Obelix: Mission Kleopatra“ (2002) sowie „Asterix bei den Olympischen Spielen“ (2008), jeweils mit Christian Clavier und Gérard Depardieu in den Hauptrollen.

Überhaupt begleitete Uderzo die von ihm zwar unterstützte, aber zugleich streng kontrollierte Kommerzialisierung – von Video- und Handyspielen und Hunderten von Merchandising-Artikeln bis zum Asterix-Freizeitpark bei Paris oder der Produktion „Holiday on Ice“ 1996 – mit kritischem Blick. Plagiate und Asterix-Parodien verfolgte er gerichtlich. Seit 1976 klagten Goscinny und Uderzo gegen Dargaud Éditions um die Nebenrechte der ersten vierundzwanzig Asterix-Bände. Nach jahrelangem Rechtsstreit erfolgte 1998 die letztinstanzliche Entscheidung, der zufolge Dargaud die Verwertungsrechte an den Verlag Hachette übertragen und 5,5 Mio. Francs Schadensersatz zahlen musste. Wegen seiner Unerbittlichkeit büßte Uderzo Sympathien ein. Er selbst verstand sich aber als Vorkämpfer für Autorenrechte.

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