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Albert Uderzo ist tot : Abschied vom Schöpfer des kleinen gallischen Dorfes

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Sechstausend Exemplare zum Start

1956 begründeten die beiden mit anderen die Presse- und Werbeagentur Edipresse und Edifrance. Materielle Sicherheit fanden sie aber erst mit der Gründung ihrer Jugendzeitschrift „Pilote“ (1959), die durch die realistisch gezeichneten Abenteuer des Jagdfliegers „Mick Tanguy“ (1959 bis 1965, mit dem Texter Charlier) sowie „Asterix“ ab Oktober 1959 bekannt wurde.

Goscinny und Uderzo suchten damals – dem Tipp eines Verlegerfreundes folgend – eine französische Figur als Gegenpol zu den dominierenden amerikanischen Comics und fanden Anregungen hierfür im Widerstand des französischen Nationalhelden und gallischen Häuptlings Vercingetorix gegen Gajus Julius Cäsar. Favorisierte Uderzo einen strahlenden Helden als Titelfigur, setzte Goscinny mit dem gnomenhaften, aber gewitzten Asterix eher einen Antihelden durch. Auf Uderzo ging dafür Obelix zurück, vor dessen „Naturkraft menschlicher Verstand zurückweicht“, wie es in dieser Zeitung 1996 hieß, der aber gleichwohl eine geradezu kindliche Empfindsamkeit besitzt. Nach Übernahme von „Pilote“ durch den Verleger Georges Dargaud erschien 1961 mit „Asterix le Gaulois“ (deutsch „Asterix der Gallier“) erstmals ein Abenteuer in Buchform. Wurden zum Start gerade sechstausend Exemplare gedruckt, erreichte die Auflage vier Jahre später die Millionengrenze.

In über hundert Sprachen und Dialekten

Die Bände trafen das französische Lebensgefühl, beliebt war zudem die Karikierung menschlicher Schwächen, die Parodien auf Filme und Prominente sowie die Übertragung moderner Themen in einen denkbaren antiken Kontext. Der Kampf mit Rom etwa galt als Allegorie auf den Kampf der Résistance gegen die Nazis, aber auch als Variation des Kampfes Davids gegen Goliath, wo die Kleinen gegen Mächte wie Bürokratie und Brachialgewalt gewinnen – begierig aufgegriffen von der Achtundsechziger-Bewegung oder den späteren Globalisierungsgegnern. Ungeachtet des anspruchsvollen Niveaus durch literarische und historische Anspielungen oder lateinische Zitate und wissenschaftlicher Abhandlungen über den Comic betonte Uderzo, mit Asterix wolle er zuallererst Kinder zum Lachen bringen.

Aufgrund der Beliebtheit in allen Altersgruppen und des Erfolgs der „Asterix“-Bände beschlossen Uderzo und Goscinny 1967, sich in ihrer Arbeit ausschließlich auf diese Serie zu konzentrieren. Asterix geriet früh zum nationalen Symbol, 1965 stand er Pate für den ersten französischen Satelliten. Seine internationale Popularität hingegen symbolisierten Übersetzungen in über hundert Sprachen und Dialekte sowie in die Blindenschrift. In den achtziger Jahren veröffentlichte der Egmont-Ehapa-Verlag, der schon 1968 den ersten „Asterix“-Band auf Deutsch herausgebracht hatte, die Collection Uderzo mit dem Ziel, erstmals in deutscher Sprache das gesamte Jugendwerk Uderzos zu publizieren.

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