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Corona in Israel : Was wollten wir mehr?

  • -Aktualisiert am

Tel Aviv, draußen vor einer Bar, Ende März 2021 Bild: Laif

In Israel sind wir jetzt nahezu coronafrei. Aber haben wir die Normalität zurückgewonnen? Ein Rückblick auf das letzte Jahr für mich und mein Land.

          6 Min.

          Das Corona-Jahr hat mich nicht direkt betroffen. Oder vielleicht doch. Vielleicht führte es mich auf einen Weg, den ich in einem anderen, einem „normalen“ Jahr nie eingeschlagen hätte, auch wenn es nicht so wirkt. Meine Arbeit wurde nicht beeinträchtigt. Mein Einkommen litt nicht allzu sehr. In meinem Umfeld ist niemand gestorben oder schwer erkrankt. Und doch . . . Ich erzähle Ihnen einfach, was geschehen ist, und vielleicht lässt es sich von außen betrachtet, emotional unbeteiligt und mit weitem Blick, besser beurteilen.

          Etwa sechs Monate vor dem Ausbruch, im September 2019, steckte meine Beziehung zu M in einer schweren Krise. Am Ende konnten wir die Probleme lösen und kamen wieder zusammen, aber eine Sache änderten wir. Wir versuchten nicht mehr, ein Kind zu bekommen. Mir war klargeworden, dass ich nach meinen beiden Töchtern aus meiner ersten Ehe keine weiteren Kinder bekommen wollte. Sie wünschte sich immer noch ein Baby, wollte aber weder mich noch unsere Beziehung damit belasten. Deshalb versuchte sie ab Anfang 2020, durch künstliche Befruchtung schwanger zu werden. Vater sollte ein guter Freund werden, der das Kind in einer Co-Elternschaft mit ihr großziehen wollte.

          M ist Mitbesitzerin einer der coolsten Bars in Tel Aviv, die für viele Prominente aus Film und Fernsehen, aus der Literatur-, Kunst- und Modebranche Israels zum zweiten Zuhause geworden ist. Als im März Corona zuschlug, verlor M nicht nur ihre Arbeit und ihr Einkommen, sondern vor allem die Möglichkeit, ihre Berufung und Persönlichkeit als wunderbare, leidenschaftliche, witzige und fürsorgliche Gastgeberin für Hunderte zwischenmenschliche Begegnungen jeden Abend auszuleben. Anfangs genoss sie die Veränderungen. Nach vier Jahren ständiger Arbeit hatte sie endlich etwas Zeit und sogar freie Abende. Sie wurde nicht mit Anfragen für Tischreservierungen bombardiert oder musste bei den Mitarbeitern und Besitzern Probleme und Unstimmigkeiten klären. Und weil die ganze Welt wie ausgebremst schien, wirkte es eigenartig, unvermeidlich, wie in einer Science-Fiction-Geschichte.

          Ich arbeitete weiter an dem Fernsehprojekt, an dem ich seit Februar saß. Mit meinem Co-Autor in New York und Kunden in Los Angeles wäre die Kommunikation auch ohne Corona über Zoom gelaufen, und ich hätte zu Hause geschrieben. Die Arbeit an meinem Roman ging im Schneckentempo voran. Bei meinen Töchtern wurde der Unterricht auf Zoom umgestellt, aber sie schienen gut damit zurechtzukommen und trafen sich weiter jeden Tag mit ihren vielen Freundinnen. Ich war noch nie oft ausgegangen, ins Kino, Theater, zum Essen, Trinken oder Tanzen und konnte jetzt mehr Abende mit meiner arbeitslosen Freundin verbringen. Für mich veränderte sich also nicht viel.

          Das Problem mit den ultrareligiösen Gemeinden

          Dann schlug M im Mai 2020 vor, wir sollten unsere Beziehung „durchlüften“. Wir sprachen nicht darüber, was genau das bedeuten sollte, aber nach dreieinhalb gemeinsamen Jahren akzeptierte ich, dass sie mehr Zeit für sich brauchte, und freute mich selbst auf ein wenig mehr Freiheit. Nach einem Monat hatte ich allerdings das Gefühl, dass wir unser „Durchlüften“ genauer definieren sollten, und schlug eine dreimonatige Pause vor. So konnte jeder für sich die Dinge neu einschätzen. Außerdem wurde M zu Beginn der Pause schwanger.

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