https://www.faz.net/-gqz-2y5p

Art Forum Berlin : Französische Kunst macht sich rar

  • -Aktualisiert am

JEAN-LUC MOULÈNE: „Piazza di Spagna”, 1999/2000, Cibachrome 1/5, 124 x 150cm (15.000 Mark) Bild: Moulène

Die Arbeiten französischer Künstler auf der Kunstmesse Art Forum Berlin stammen zum größten Teil aus dem Bereich Fotografie.

          2 Min.

          Die französische Kunst macht sich auf dem Art Forum rar. Mit nur fünf Galerien ist das Nachbarland auf der Kunstmesse in Berlin vertreten, was seinen Grund wohl auch in der am Dienstag beginnenden Kunstmesse in Paris hat. Die anwesenden französischen Galerien zeigen durchweg ein internationales Programm.

          Auch sind nur wenige zeitgenössische französische Künstler bei nicht in Frankreich ansässigen Galerien ausgestellt. Marie-Blanche Carlier von „carlier|gebauer“ aus Berlin vermutet einen weiteren Grund für die generell geringe Präsenz französischer Kunst im Ausland in der Sprachlastigkeit der aktuellen konzeptionellen Arbeiten. Gilles Peyroulet, Galeristin aus Paris, bestätigt trotz eigener Verkaufserfolge den allgemein schleppenden Handel mit zeitgenössischer französischer Kunst im Ausland.

          Die Arbeiten französischer Künstler auf dem Art Forum stammen zum größten Teil aus dem Bereich Fotografie, die sich mit ihren erzählenden Momenten von der in Deutschland populären Linie der „Becher-Schule“ stark unterscheidet. Von den diesjährigen Biennale-Teilnehmern Pierre Huyghe und Matthieu Laurette ist nichts zu sehen. Die Pariser Galerie „du jour“, in diesem Jahr zum zweiten Mal dabei, hat in ihrem Programm auch den bereits über 90-jährigen Lucien Hervé, dessen kleinformatige Vintages aus den fünfziger Jahren unter anderem Le Corbusier und Matisse zeigen und zu Preisen zwischen 600 und 6.000 Mark angeboten werden.

          BERNARD LALLEMAND: „Mutations 2001”, 2 Elemente, Elektromotoren, Holzplateau, Puppen, Plastik, Farbe 193 x 75 cm (41.800 Mark)
          BERNARD LALLEMAND: „Mutations 2001”, 2 Elemente, Elektromotoren, Holzplateau, Puppen, Plastik, Farbe 193 x 75 cm (41.800 Mark) : Bild: Lallemand

          Konzeptionelle Arbeiten von Jean-Luc Moulène

          Der junge Fotograf Jean-Christian Bourcardt dokumentiert in seinen Bildern die Stimmung in Travestieclubs in Paris, New York und auch Berlin. Ein Werk von ihm kostet knapp 6.000 Mark. Auch die Galerie „Peyroulet“ setzt auf Fotografie und präsentiert die beiden Fotografen Jean-Louis Garnell und Jean-Marc Bustamante. Die Vertreter der „Neuen Objektivität“ stellten schon in den 70er und 80er Jahren unveränderte Ausschnitte der Realität konzeptionell in Serien zusammen. Alle beide haben bereits in Deutschland ausgestellt und haben deutsche Sammler. Die Arbeiten von Garnell stammen aus dem Jahr 1988 und sind exemplarisch für dessen Studien über die Beziehungen des Menschen zu seiner Welt; sie kosten zwischen 10.000 und 12.000 Mark.

          Für Landschaftsbilder von Bustamante dagegen, die Einzelstücke aus den späten 70er Jahren sind, muss man zwischen 35.000 und 50.000 Mark anlegen. Auch bei „carlier|gebauer“ sind in erster Linie Fotografien der vertretenen französische Künstler zu sehen. Die konzeptionellen Arbeiten von Jean-Luc Moulène, der durch die Teilnahme an der letzten documenta in Kasel sowie durch seine Zeit als DAAD-Stipendiat in Berlin dem deutschen Publikum bereits bekannt ist, kosten 15.000 Mark. Das Künstlerduo Anne Marie Jugnet & Alain Clairet bietet Fotoarbeiten aus den Serien „Viila Arson“ und „Louis Blériot“, die eine konstant monochrom blaue Fläche nur durch das Auftauchen einiger Dächer am unteren Rand als Himmel erkennen lassen zum Preis von 6.000 Mark an. Diese Künstler erforschen die Möglichkeiten der Bildfindung auch durch konzeptionelle Malerei, ein Gemälde aus den „Tape Series“ kostet um die 14.000 Mark.

          Architekturfotos von Stéphane Couturier

          Malerei findet man auch in der Galerie „Zürcher“ aus Paris, wo ein großformatiges Gemälde des 40-jährigen Marc Desgrandschamps für 18.000 Mark noch zu kaufen ist. Für die Objekte der Künstlerin Eléonore de Montesquiou, in denen Fotografien zu Geschichten zusammengestellt sind, wird nur 1.000 Mark verlangt. Die Galerie „Anton Weller“, die ebenfalls in Paris beheimatet ist, hat vier französische Künstler im Programm. Am Stand dominiert die Arbeit von Bernard Lallemand, der sein Thema, mit Schläuchen ergänzte Figuren, als Skulptur (41.800 Mark) und als Fotografien (um 10.500 Mark) präsentiert.

          Die Galerie „Sollertis“ stammt aus Toulouse und zeigt mit Alain Josseau einen jungen Maler, der in seiner aktuellen Arbeit Fotografien von Stadtlandschaften umsetzt. Seine Gemälde sind zu Preisen um 4.000 Mark recht modest. Die selbe Galerie vertritt auch Stéphane Couturier, dessen Architekturfotos unveränderte Ausschnitte der abgebildeten Städte und Gebäude zeigen und für 15.000 Mark erhältlich sind.

          Weitere Themen

          Demokratie ist machbar

          Initiation für Erstwähler : Demokratie ist machbar

          Für viele Erstwähler ist das erste Mal ein ernüchterndes Erlebnis. Warum verpassen wir eine Chance, junge Menschen in unserer Demokratie willkommen zu heißen?

          Topmeldungen

          Edgar Engist  mit seinen Hunden und Schafen auf seiner Wiese in Bollschweil. Der Schäfer fragt sich, warum Wölfe so viel mehr wert sein sollen als seine Arbeit.

          Landfrust : Im Würgegriff der Bürokraten

          Von Wolf bis Windkraft: Gut gemeinte Vorschriften, die in fernen Großstädten erdacht werden, treiben die Selbständigen auf dem Land in den Wahnsinn.
          Der FDP-Vorsitzende Philipp Rösler (/links) und der Spitzenkandidat Rainer Brüderle am 23. September 2013, dem Tag nach der Bundestagswahl

          Bundestagswahlen seit 1949 : 2013: Die FDP fliegt aus dem Bundestag

          19 Wahlen, 19 Geschichten. Heute: Angela Merkel beschert der Union aus heutiger Sicht unerreichbare 41,5 Prozent. Aber das eigentliche Ereignis der Bundestagswahl 2013 ist das Scheitern der Liberalen. Teil 18 unserer Wahlserie.
          Josephin Kampmann, Gesundheits- und Krankenpflegerin, steht in einem Zimmer der Corona-Intensivstation des Universitätsklinikums Essen und bereitet eine Infusion vor.

          Corona-Pandemie : Sieben-Tage-Inzidenz sinkt auf 60,6

          Das Robert Koch-Institut hat seit dem Vortag 7211 Corona-Neuinfektionen registriert. Tendenziell gehen die Infektionszahlen seit rund zwei Wochen zurück. In den USA müssen Staatsbedienstete nun bis Dezember geimpft sein.
          Wer ehrlich rechnet und keine Schenkungen der Eltern erhoffen kann, muss beim Ansparen Risiken eingehen und auf Aktien setzen.

          Baufinanzierung : So klappt es mit dem Hauskauf

          Für den Kauf einer Immobilie reicht eine Finanzierung auf Pump nicht aus. Es muss zusätzlich lange vorher gespart werden. Hier ist die passende Strategie.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.