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Plattform von ARD und ZDF : Netzwerker

Die Intendanten bei der Vorstellung der Pläne: Kai Gniffke (SWR), Thomas Bellut und Tom Buhrow (WDR,ARD, von links). Bild: ZDF/Ralph Orlowski

ARD und ZDF verbinden ihre Mediatheken zu einem gemeinsamen „Streaming-Netzwerk“. Damit wollen sie Internetgiganten Paroli bieten. Doch warum paktieren sie dann zugleich mit den Superkonzernen?

          2 Min.

          Die Öffentlich-Rechtlichen baten am Montag zum Gipfeltreffen. Sie traten mit ihrer ersten Mannschaft an: links der ARD-Vorsitzende Tom Buhrow, der ZDF-Intendant Thomas Bellut in der Mitte, rechts der SWR-Intendant Kai Gniffke und im Hintergrund die beiden Digitalchefs Benjamin Fischer (ARD) und Eckart Gaddum (ZDF).

          Sie stellten das „Streaming-Netzwerk“ vor, zu dem die Sender von sofort an ihre Mediatheken zusammenschließen und das sie in den kommenden zwei Jahren perfektionieren wollen: Wer die eine oder die andere Mediathek anwählt, findet nun per Suchbefehl auch alles, was in der jeweils anderen steckt. Das sind mehr als 250 .000 Programmstücke.

          Darob gerieten die Intendanten ins Schwärmen. Man schaffe eine „gemeinsame Erlebniswelt“ und ein „universelles Nutzungserlebnis“, sagte Tom Buhrow. Das „Überzeugende“ sei, ergänzte Thomas Bellut, „dass es für Nutzerinnen und Nutzer so einfach ist“. Man bleibe in der jeweils angewählten Mediathek, finde sich „traumwandlerisch“ zurecht und bekomme „das Best-of des öffentlich-rechtlichen Systems“.

          Zwei Etats für einen Auftritt

          Die rechtliche Eigenständigkeit der Mediatheken bleibt erhalten, die verschiedenen Apps gibt es weiterhin. Dafür addieren ARD und ZDF die Etats der Mediatheken, die sich auf jeweils einen „mittleren“ einstelligen Millionenbetrag belaufen, was sich zu einem zweistelligen Millionenbetrag summiert, von dem andere Medienhäuser nur träumen.

          Die Sender entwickeln gemeinsam die Technik, was bedeutet, dass sie per Algorithmus an der Suchfunktion, am personalisierten Zugang der Nutzer und dem Empfehlungssystem feilen. Wie andere Streamingdienste auch, lernen ARD und ZDF ihr Publikum so ganz genau kennen. Doch versichern sie, dass ihr selbst entwickelter Algorithmus „werteorientiert“ sei, nicht „kommerziell“.

          Das mag aus Sicht der Sender eine „kleine Revolution“ sein, wie Thomas Bellut sagte, oder ein „Riesen-Quantensprung“, wie Tom Buhrow meinte, doch hören die Gemeinsamkeiten auch schnell wieder auf. Eine gemeinsame Plattform, wie sie in der Debatte über die Reform von ARD und ZDF gefordert wurde, ist das nicht. Ein Schritt Richtung Fusion der Sendergruppen schon gar nicht.

          Auf die Frage danach reagierte der ZDF-Intendant Bellut ziemlich energisch und wischte sie mit der erstaunlichen Bemerkung beiseite, dass Vielfalt erst durch zwei öffentlich-rechtliche Gruppen entstehe und sich andernfalls doch zu viel Macht und Einfluss an einer Stelle fände.

          Von zu viel Macht und Einfluss ist sonst bei den Intendanten nur mit Blick auf andere die Rede – auf die amerikanischen Digitalgiganten, denen man mit dem gemeinsamen Netzwerk entgegentreten will. Nicht auf der Rechnung haben die Öffentlich-Rechtlichen die Presse oder den privaten Rundfunk. Wenn es um Vielfalt geht, tauchen sie in den Überlegungen der Öffentlich-Rechtlichen allenfalls als Randfiguren auf.

          Dahinter steckt eine gehörige Portion Geringschätzung und Selbstüberschätzung. Wobei die öffentlich-rechtlichen Sender mit ihrem weit gefassten, von allen bezahlten Angebot gerade der Presse das Leben schwer machen. Und mit den Giganten, die sie angeblich kontern wollen, lassen sich ARD und ZDF zudem auch noch ein. Auf „Drittplattformen“, also bei Google, Facebook, Youtube, Instagram, liefern sie alles ab, was da ist.

          Den Umgang mit diesen Plattformen habe man auf dem „Markenradar“, sagte der ZDF-Intendant Bellut. Radikale Entscheidungen indes stünden nicht an. Will heißen: Im Abnutzungswettbewerb im Netz schließen sich ARD und ZDF zusammen und paktieren mit den Digitalgiganten, solange es opportun erscheint. Wer in dieser Vorstellungswelt von „Vielfalt“ auf der Strecke bleibt, liegt auf der Hand.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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