https://www.faz.net/-gqz-a9f6d

Fußballrechte im Ausverkauf : ARD und ZDF haben es ja

Da fehlen einem und ihnen die Worte: die deutsche Nationalmannschaft in Spanien Bild: dpa

ARD und ZDF freuen sich, dass sie die Spiele der Fußball-EM 2024 zeigen dürfen. Die Telekom hat ihnen die Rechte weiterverkauft und macht ein gutes Geschäft. Wer das alles bezahlt, wissen wir.

          1 Min.

          Wie nennt man es, wenn an einer Stelle öffentliches Geld für etwas verbrannt wird, dessen Preis durch öffentliches Geld in die Höhe getrieben wurde? Fußball im Fernsehen. Oder: Poker um Fußballübertragungsrechte.

          Diesen hatte beim Wettbieten um die EM 2024 die Telekom gewonnen. Das Unternehmen, dessen Aktien zu 32 Prozent in Staatsbesitz sind (Bundesregierung und Kreditanstalt für Wiederaufbau), kaufte alle Rechte für seine Plattform „Magenta TV“.

          Dass die 51 Spiele nur dort im Abo zu sehen wären, brauchte man aber schon im Herbst 2019 nicht zu fürchten, als die Telekom den Coup landete. Und es kam, wie es beim Fußball kommen muss: Die Nationalmannschaft ist zuletzt kläglich gegen Spanien untergegangen und gilt bei der EM in diesem Sommer als chancenarmer Außenseiter. Doch ARD und ZDF zücken die Rundfunkbeitragsbörse und erwerben eine Sublizenz an 34 von 51 Spielen, die übrigen siebzehn zeigt RTL. Die Telekom erhält im Gegenzug auch noch Zugriff auf die Spiele der EM in diesem und der WM im kommenden Jahr.

          Die Intendanten von ARD und ZDF klopfen sich ob des Deals auf die Schultern, die Telekom ist besoffen vor Fußballglück. Bezahlt aber wird das von uns allen per Zwangsabo. Dessen Beitragserhöhung die Öffentlich-Rechtlichen bekanntlich gerade vor dem Bundesverfassungsgericht einklagen.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Weitere Themen

          So mit Beinen und viel Haut um sich

          Bücher über Irmgard Keun : So mit Beinen und viel Haut um sich

          Einmal Bildband, einmal Briefausgabe: Michael Bienert erweist sich mit über „Man lebt von einem Tag zum andern“ und „Das kunstseidene Berlin“, zwei ihr gewidmeten Büchern, als idealer Nachlebenverwalter von Irmgard Keun.

          Topmeldungen

          Lars Klingbeil (links), Vorsitzender der SPD, und Saskia Esken, Vorsitzende der SPD, äußern sich am 20. Dezember 2021 bei einer Pressekonferenz nach der konstituierenden Sitzung des Parteivorstandes im Willy-Brandt-Haus in Berlin.

          Trotz Wahlerfolgs : Die SPD verliert weiter rasant Mitglieder

          Nach dem Wahlerfolg bei der Bundestagswahl traten der Partei im September zwar mehr Neumitglieder bei als in allen anderen Monaten des Jahres. Aber sie konnten den abermaligen Verlust von etwa fünf Prozent der Mitgliedschaft nicht ausgleichen.