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Kommentar zu ARD und ZDF : Das neue Rundfunksystem beginnt jetzt

Blick aus der Gegenwart in die Zukunft: Mit ihren Medientheken wollen ARD und ZDF zu Plattformen werden. Bild: obs

Die ARD hat bekannt gegeben, wie viel Geld sie für Sport und Experten ausgibt. Die Summen sind gewaltig. Viel gewaltiger aber ist, was die öffentlich-rechtlichen Sender insgesamt vorhaben.

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          Es ist nicht ungeschickt, dass die ARD sich gerade jetzt zu etwas mehr Transparenz durchringt. Von morgen an beraten die Medienexperten der Länder, wie es mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk weitergeht, und die Geheimniskrämerei im Umgang mit dem Rundfunkbeitrag ist ein Kritikpunkt. Jetzt wissen wir also, dass die ARD für ihre acht Sportexperten, die 2015/2016 auf dem Bildschirm erschienen, 1,2 Millionen Euro ausgegeben hat. Die Saläre von 21 Moderatoren schlugen mit 1,9 Millionen Euro zu Buche, für den Sport insgesamt gab die ARD 2014 und 2015 jeweils 366 Millionen Euro aus, das ZDF gab seinen Jahresetat für Sportrechte zuletzt mit 243 Millionen Euro an.

          Das sind gewaltige Summen, aber sie sind im Einzelnen nicht so übertrieben, wie mit Blick auf Experten wie Oliver Kahn oder Mehmet Scholl gemunkelt wurde. Bei Letzterem war über ein Jahreshonorar von 1,6 Millionen Euro spekuliert worden. An dieser Stelle nehmen die Sender nun ein wenig Druck aus dem Kessel. Daran tun sie gut, denn sie haben Großes vor.

          Sie wollen nämlich zu Online-Plattformen werden und müssen dafür alle rechtlichen Hemmnisse beiseiteräumen, die es bislang gibt. Sie wollen ohne Beschränkung Filme, Serien und Nachrichtenangebote verbreiten. Das trifft die Produzenten, die dann – wenn ihre Stücke in den Mediatheken von ARD und ZDF stehen – ihre Filme und Serien nach der Ausstrahlung im Fernsehen nicht mehr direkt selbst verwerten und refinanzieren können. Und es trifft die unabhängige Presse, die versucht, mit ihren Angeboten im Internet Geld zu verdienen, was umso schwerer fällt, bis tendenziell unmöglich wird, je mehr vom Rundfunkbeitrag finanzierte Textportale es gibt.

          ARD und ZDF sagen, dies sei im Sinne der Beitragszahler, Zuschauer und Zuhörer. In einem Zehn-Punkte-Papier, das eine Reihe von Wissenschaftlern, Aktivisten und Politiker gerade veröffentlicht haben, werden die Sender in diesem Ansinnen unterstützt. Dabei ist dies selbstverständlich nur in ihrem eigenen Sinne: Je mehr sie machen (dürfen), desto mehr Rundfunkbeitrag brauchen sie, desto schwerer wird es der Arbeitsgruppe der Länder, die sich gerade mit der Struktur der Anstalten befasst, fallen, diese zu Sparsamkeit und Effizienz zu verpflichten. Nur um die Höhe des Rundfunkbeitrags geht es nicht. Die Bundesländer, der Bund und die EU stehen bei der Frage, wie ARD und ZDF die Digitalisierung angehen, vor einer Grundsatzentscheidung. Stellen sie die Weichen falsch, kommen wir einem Staatsrundfunksystem immer näher.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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