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Fernsehfilm über Beethoven : Wie man für eine Idee brennt

Unterm Schirm der Regie: Tobias Moretti und Regisseur Niki Stein bei den Dreharbeiten

Stein, der auch das Drehbuch schrieb, erläutert: „Meine Grundidee war eine Coming-of-Genius-Geschichte des jungen Beethoven. Man muss sich das immer wieder klarmachen: Wie ist das für einen kleinen Jungen gewesen, der im Kurfürstentum Köln groß wird und der Musik machen will? Welchen Einflüssen ist er ausgesetzt gewesen? Zentrales Moment war für mich seine Reise nach Wien zu Mozart 1787. Für mich war das eine Konstellation wie: Michael Jackson trifft Prince. Als ich mit dem Schreiben anfing, war musikwissenschaftlich zwar klar, dass diese Reise stattgefunden, nicht aber, ob diese Begegnung stattgefunden hat. Inzwischen weiß man, dass Beethoven schon in Wien war, etwa drei Monate bevor Mozart nach Prag abreiste für die Uraufführung des ,Don Giovanni‘. Also ist eine Begegnung möglich gewesen“.

Im Film wird es nun Tobias Moretti sein, der als Beethoven am Ende seines Lebens in Gneixendorf auf seine Jugend zurückblickt: auf die schweren innerfamiliären Verwerfungen mit einem gewalttätigen, alkoholkranken Vater, auf die Jugendliebe zu Eleonore von Breuning, die Standesgrenzen hätte überschreiten können, wenn er nur entschlossener gewesen wäre. Der Berliner Schauspieler und Musiker Anselm Bresgott übernimmt die Rolle des jungen Beethoven; Colin Pütz spielt Beethoven als Kind. Von ihm schwärmt der Produzent Ernst Ludwig Ganzert ganz besonders: „Er ist selbst ein Pianist und daran gewohnt, vor Publikum zu spielen. Wir haben uns entschlossen, alle Musik in den Szenen live aufzunehmen. Jeder, der etwas vom Metier versteht, sagte, wir seien wahnsinnig. Aber es hat funktioniert. Colin Pütz hat die Szene, wo der achtjährige Beethoven vor einer Hofgesellschaft spielt, so souverän gemeistert, dass schon der erste Take absolut gelungen war.“

Wer mit Beethoven kommt, trifft auf Bedenkenträger

Ganzert ist genauso musikbegeistert wie Stein. Ihn und seine Firma Eikon konnte der Regisseur zuerst überzeugen, dass es diesen Film geben müsse. Durch Kontakt zum Beethovenhaus in Bonn geriet Niki Stein an Elke Kimmlinger, die sich als Redakteurin beim Westdeutschen Rundfunk für das Projekt einsetzte. Später kam die ARD-Degeto mit Christine Strobl und Carolin Haasis hinzu, die mittlerweile auch die redaktionelle Federführung übernommen haben. Stein, der viele Großprojekte fürs Fernsehen verantwortete – darunter „Rommel“ mit Ulrich Tukur – kannte sie bereits von früher.

„Eigentlich“, gesteht Stein, „war es mein Ehrgeiz, damit ins Kino zu gehen. Das ist allerdings in der deutschen Kinolandschaft so: Wenn Sie da mit Beethoven kommen, treffen Sie auf die doppelte Anzahl von Bedenkenträgern, als wenn Sie damit ins Fernsehen wollen.“ Und schon beim Fernsehen rannte er keine offenen Türen ein. „Das war kein Selbstläufer“, sagt er nur und deutet damit an, wie groß die Schwierigkeiten waren, einen Beethovenfilm fürs öffentlich-rechtliche Fernsehen zu machen. Man hört es und fasst es eigentlich nicht.

Unterwegs im Zweispänner Peter Lewys Preston (Karl) Tobias Moretti (Beethoven) bei den Dreharbeiten zum Fernsehereignis anlässlich des Beethovenjahres 2020.

Erinnern wir uns: Tony Palmer konnte 1981 eine zehnteilige Fernsehserie über Richard Wagner drehen, mit Richard Burton in der Titelrolle und Vanessa Redgrave als Wagners Ehefrau Cosima. Das Ganze war eine britisch-österreichisch-ungarische Koproduktion; die 469 Minuten Film kosteten etwa dreißig Millionen Deutsche Mark. Ein Jahr später drehte Renato Castellani seinen Achtteiler „Giuseppe Verdi – Eine italienische Legende“. Beteiligt waren Italien, Frankreich, die Bundesrepublik Deutschland, Großbritannien, Schweden und die Sowjetunion – 529 Minuten Film für zwölf Millionen Deutsche Mark. Wieder ein Jahr später kam der fünfteilige Mozart-Film von Marcel Bluwal heraus, neuerlich als gesamteuropäisches Projekt, in dem Christoph Bantzer einen Mozart spielte, der komplexer und vielschichtiger war als „Amadeus“; und kurz darauf entstand der vierteilige, bis heute eindrucksvolle Bach-Film mit dem überragenden Ulrich Thein in der Titelrolle – als Koproduktion des Fernsehens der DDR und Ungarns.

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