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Architektur : Was nach dem Mahnmal kommt

  • -Aktualisiert am

Entwurf für die Kulturstadt in Santiago de Compostela Bild: Pepe Ferrin

Ein Stadion in Arizona, das Digital Arts Museum in Taiwan und die Kulturstadt in Santiago de Compostela drei prominente Projekte, die Peter Eisenman gegenwärtig in aller Welt plant.

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          Peter Eisenman arbeitet zur Zeit an drei großen Projekten in Arizona, Taiwan und Spanien.

          Am weitesten fortgeschritten ist das Projekt einer „Kulturstadt“ in Santiago de Compostela. Hier sollen im nächsten Monat die Bauarbeiten beginnen. Eisenman setzte sich in dem Wettbewerb, den der galizische Regionalpräsident Manuel Fraga - einst Informationsminister Francos - persönlich leitete und den dieser wohl als Prestigeprojekt à la Bilbao betrachtet, gegen Kollegen wie Daniel Libeskind, Rem Kohlhaas und Doninique Perrault durch.

          Die „Kulturstadt“ wird neben mehreren Museen ein Opernhaus, ein Zeitungsarchiv und eine Bibliothek umfassen. Sie liegt auf einem Berg, dem Monte de las Gaias, von dem aus sich die Gegend malerisch erschließt. Eisenmans Entwurf nimmt die Topographie der Landschaft auf. Die Gebäude schmiegen sich an die Landschaft an und setzen die Morphologie des Hügels fort. Ein Kritiker nannte den Entwuf einen „galizischen Zauberberg“.

          American-Football-Stadion in Phoenix, Arizona

          Eisenman sagt, seine Absicht sei es gewesen, im Zeitalter der Informationsgesellschaft und der allmählichen Saturiertheit an Medien und Informationstechnologie ein „taktiles“ Moment wiederzubeleben. Dem immateriellen „Cyberspace“, so könnte man spekulieren, setzt Eisenman einen Entwurf entgegen, der ortsspezifisch und auch „bodenständig“ ist und dennoch ohne Zitate lokaler Bautraditionen auskommt.

          Eisenman selbst spricht vom genetischen Code des Ortes, den er in seinem Entwurf umsetzen will. Zu diesem Code gehört zum einen die Jakobsmuschel als Symbol des Stadtheiligen Jakobus und zum anderen die Altstadt von Santiago de Compostela mit ihrer ganz besonderen Ausstrahlung. Beide Merkmale greift er in seinem Entwurf auf.

          In der Aufsicht seines Entwurfes wird die Form der Jacobsmuschel nachvollziehbar. Was in dem Entwurf an die Altstadt erinnern soll, ist weniger leicht zu erkennen.

          Eisenman legt Wert darauf, dass er die Jakobsmuschel nicht abbilden, sondern transzendieren wollte. Das Museum auf der Spitze der Anhöhe sieht denn auch wie eine Welle aus. Eisenman bezeichnet den Komplex als „flüssige Muschel“.

          In Phoenix, Arizona, wird Eisenman für den American-Football-Klub Cardinals das angeblich modernste Stadion der amerikanischen Football-Liga (NFL) bauen. Die Arena für 68 000 Zuschauer soll nach modernsten Standards klimatisiert sein und auch sonst jeden erdenklichen Komort bieten, von Club-Sesseln bis zum Freiluft-Restaurants. Spielfeld und das Dach sollen ausfahrbar sein. Das atemberaubend geschwungene Dach ist überhaupt das Markenzeichen des Stadions. Die Kosten von 350 Millionen Dollar werden einerseits von dem Football-Club, andererseits über eine Kommunalanleihe aufgebracht. Das Stadion soll, wie gestern beschlossen wurde, nicht in Phoenix, sondern im nahen West Valley gebaut werden. Baubeginn soll der nächste August sein. Die Fertigstellung ist für 2004 geplant.

          Erst im nächsten Jahr wird das „Digital Arts Museum“ in Hsinchu, Taiwan, in Bau gehen. Auftraggeber sind die Universität Shiao Tung und die Stadt Hsinchu. Beteiligen wird sich möglicherweise auch der Computer-Hersteller Acerin Taipeh, der über eine Stiftung kürzlich schon ein Zentrum zur Förderung der Digitalen Kunst gegründet hat. Was der Bau kosten soll, steht nach Auskunft Eisenmans noch nicht fest.

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