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Architektur : Stadion mit Schiebedach und rollendem Rasen

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Hentrich-Petschnigg & Partner haben die neue Schalke Arena in Gelsenkirchen gebaut Bild: HPP Architekten

„AufSchalke“ heißt die multifunktionale Arena. An diesem Montag wird sie eröffnet. Hentrich-Petschnigg & Partner haben sie gebaut.

          „AufSchalke“ heißt die neue Sport-Arena in Gelsenkirchen, die an diesem Montag und Dienstag festlich eröffnet wird. Das Düsseldorfer Architektenbüro Hentrich - Petschingg & Partner (HPP) hat mitten im Ruhrgebiet eine High-Tech-Halle mit Schiebedach und rollendem Rasen gebaut, die wie eine Riesenschildkröte daliegt und in Europa neue Maßstäbe im multifunktionalen Stadionbau setzt.

          Die Spielstätte bietet auf ihren Tribünen laut Architekten 42.900 Besuchern einen klappbaren Sitzplatz. Der Rest steht. Ein Graben trennt das Publikum von den Akteuren, die nicht nur Fußball spielen, sondern auch als Sänger, Schauspieler, Papst oder sonst für die Allgemeinheit interessante Persönlichkeit auftreten können. Der Rasen kann wie in einem gigantischen Vogelbauer heraus aufs freie Feld vor den Stadiontoren im Süden geschoben werden. Das dauert etwa sechs Stunden. Im Inneren öffnet sich dadurch eine zweite Ebene, die für Großveranstaltungen wie Kirchentage, Musik- und Opernveranstaltungen verwendet werden kann, ohne dass der empfindliche Rasen kaputt getrampelt wird.

          Alles beweglich

          Auch das Dach ist beweglich. Während über den Tribünen eine feste Metallkonstruktion weiß-durchscheinende Glasfaser-Platten tragen, kann in der Mitte über dem Spielfeld, je nach Witterung, das Dach wie in einem Auto innerhalb einer halben Stunde auf und zu geschoben werden.

          Die Sport- und Kulturarena ist 225 Meter lang und 187 Meter breit. Sie ragt 53 Meter in den Himmel und schiebt sich mit ihrer Rasenfläche 118 Meter in der Breite und 79 Meter in der Länge über die Erde. Mit 358 Millionen Mark wird der Mehrzweckbau, der neben dem Fußball ebenso für politische Großkundgebungen und Kultur verwendet werden kann, rein privat finanziert.

          Stadienbaufieber in Deutschland

          Stolz berichten die Architekten Hermann Henkel und Joachim Faust, dass sie nun zu Stadionexperten geworden sind. Schon nehmen sie die nächste Arena ins Visier und hoffen auf weitere Aufträge nicht nur in Deutschland. Aber gerade hier werden nationalweit die Stadien gerade jetzt auf Vordermann gebracht. Schließlich wird die Fußballweltmeisterschaft 2006 in der Bundesrepublik stattfinden.

          In Berlin, Leipzig, Düsseldorf, Stuttgart, Bremen, Hannover, Köln, Nürnberg, Mönchengladbach, Kaiserslautern und wahrscheinlich auch in München und Frankfurt entstehen neue Stadien oder werden vorhandene Spielstätten WM-gerecht aufgerüstet. Wobei einige sicher auf der Strecke bleiben werden.

          Schalkes Arena möchte allen gerecht werden

          Der mehrstöckige Innenausbau erfolgte mit viel Holz und geschwungenen Deckenformen, die die Essbereiche und Trinkstationen freundlich wie ein Flughafenterminal erscheinen lassen. Vor den Eingängen wurden Monitore angebracht, die Zuspätgekommenen aktuelle Bilder liefern. Besonders wichtig sind die riesigen Biertanks im Keller, die auf 3 Grad runtergekühltes Bier durch 5 Kilometer lange Pipelines in die Arena-Kioske pumpt.

          Das beauftragte Architekturbüro HPP gehört zu einem der erfolgreichsten in Deutschland. Es wurde 1935 von Helmut Hentrich in Düsseldorf gegründet und zeichnet für das berühmte Thyssenhochhaus in Düsseldorf, für die Düsseldorfer Tonhalle, aber auch für das Unileverhaus in Hamburg verantwortlich. Das Büro wird heute von Hermann Henkel und Joachim Faust geleitet.

          Zur Zeit baut das Büro unter anderen für die Bayern Versicherung in München und gestaltet das Wilhelm Straßen Quartier 204 in Berlin.

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