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Architektur : Seine Cafés sind immer voll: Der Architekt Hermann Czech

  • -Aktualisiert am

Café mit Kultstatus: Hermann Czechs Kleines Café in Wien. Bild: Architekturzentrum Wien

Hermann Czech hat das Wiener Kaffehaus modernisiert. Für diese Leistung bekommt er den „Kunstpreis Berlin 2001“.

          Was kann man Schöneres über einen Architekten sagen, als dass er eine Spur des Wohlbefindens durch seine Stadt gezogen hat? In Wien aufgewachsen, lebt man mit Hermann Czech, bevor man je seinen Namen gehört hat.

          In Wien sehen die Lokale, die „Beisln“ und die Kaffeehäuser gewissermaßen vorschriftsmäßig so aus, als hätte es sie immer schon gegeben. Das ist beileibe nicht überall so. Wer je versucht hat, im Zentrum von, sagen wir: Stuttgart, einen halbwegs anständigen Ort der nachmittäglichen Rast zu finden und sich Stunden später, dem Hunger- und Verdurstungstod bereits recht nahe, den verwechselbaren, in ihrer Charakterlosigkeit geradezu höhnischen Aluminiumstühlen einer „Segafredo“-Bar überantworten musste, wird einmal mehr zum Wiener Lokal-Patrioten.

          Nun wurden aber selbst in Wien die Gaststätten über die Jahrhunderte baufällig, obwohl sich doch hier, von den Ressentiments bis zu den Kuchenrezepten, alles ein bisschen länger hält als anderswo. Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre war gar eine solche Baisse an guten, schönen, richtigen Lokalen erreicht, dass Gott erkannte: Hilfe muss her. Er schickte Hermann Czech.

          Wiener Minimalismus - das Kleine Café“

          Dieser, damals Mitte Dreißig, blieb seinem für einen Architekten durchaus provokanten Leitsatz treu, wonach Architektur Hintergrund zu sein habe oder andernfalls keine sei, und erschuf das „Kleine Café“. Seither erzählt man sich in Wien mit Begeisterung immer wieder dieselbe Geschichte, wie ausländische Architekten mitten im „Kleinen Café“ standen und sich nach dem Weg in selbiges erkundigten. Denn das „Kleine Café“, genau wie die Stadt, in der es sich befindet, genau wie der Franziskanerplatz, zu dem hin es sich öffnet, sieht aus, als wäre es immer schon da gewesen.

          Dennoch ist Czech, der dieses Jahr den Kunstpreis Berlin der Akademie der Künste erhält, nichts weniger als ein Nachbauer, ein Epigone. Im Gegenteil steckt temperamentvoller und kühner Gestaltungswille selbst in den kleinsten Details - die übrigens wirklich klein sein müssen, denn meist gestaltet Czech winzige Innenräume.

          Thonet stand Pate

          Bei Czech gibt es fast immer Spiegel an den Wänden und Stühle (schwarz oder weiß), die zumindest aussehen, als wären sie von Thonet, und es gibt immer irgendwo die lederbezogenen Sitzbänke (rot oder schwarz) mit den vielen Knöpfen, die er bei Josef Hoffmann abgeschaut hat.

          In den Boden des „Kleinen Cafés“ hat er Grabsteine eingelassen und die bunten Mosaike, wie es sie in vielen Wiener Altbauten in den Küchen und Korridoren immer noch gibt. Ganz wichtig ist auch das, was von oben herabhängt, die Lampen und ihre Befestigungen.

          Während er einerseits lustvoll alte Lampenformen zitiert, vor allem die weiße Porzellankugel und den klassischen schwarzen Metallschirm, malt er gerade in seinen jüngsten Lokalen gern Strichzeichnungen in die Luft, mittels der vielen schwarzen vertikalen Schnüre der unzähligen Lampen, aber auch mit waghalsig gekreuzten Drahtaufhängungen, an denen entweder Lampen hängen oder der Oberteil der Bar.

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