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Architektur : „Salon des Nobles“ erstrahlt in alter Pracht

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Das Schloß der Schlösser in Versailles Bild: gms

Ein Teil der Restaurationsarbeiten am Schloß Versailles ist beendet. Doch bis die Arbeit auf der „königlichen Baustelle“ vollständig abgeschlossen ist, wird es noch weitere siebzehn Jahre dauern.

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          Die Farbe auf der rechten Wange Merkurs war abgebröckelt sowie das Rot seiner schmalen Lippen. Doch seit wenigen Tagen blickt der Gott der Kaufleute und der Künste im Versailler Schloß wieder in neuem Glanz auf die engelhaften Frauen hinab, die die Malerei, die Musik, die Geschichte und Intelligenz verkörpern. Die Wiederherstellung der mehr als 300 Jahre alten Deckenmalerei im linken Flügel des prächtigen Versailler Schlosses, das als Inbegriff absolutistischer Macht gilt, ist Teil eines ehrgeizigen Restaurierungsplans. Dieser sieht als weitere „königliche Baustelle“ die Restaurierung des prunkvollen Spiegelsaals vor, in dem nicht nur rauschende Feste gefeiert wurden, sondern auch blutige Geschichte stattfand.

          „Großes Appartement“ wieder komplett

          Zwölf Monate lang arbeiteten 11 Restauratoren an den prächtigen Malereien des „Salon des Nobles“ der Königin, in dem bis zur Französischen Revolution Königinnen wie Marie Antoinette offizielle Audienzen abhielten. Der prächtige Saal im linken Flügel des Schlosses wurde 1670 errichtet. Er ist Teil des „Großen Appartements“, das der Sonnenkönig Ludwig XIV. für seine Gemahlin erbauen ließ. Ein Jahr später begann der französische Maler Michel II Corneille mit der beeindruckenden Deckenmalerei „Merkur breitet seinen Einfluß über die Künste und Wissenschaften aus“.

          „Die Restaurierung war nicht einfach, denn das Werk war in einem sehr schlechten Zustand. Corneille war ein bekannter Maler, doch hat er nur dieses monumentale Werk in Versailles angefertigt. Zum Glück sind im Louvre 400 Zeichnungen von ihm aufbewahrt. So konnten wir mehr über den Stil und die Arbeitsweise erfahren“, erklärte einer der Restauratoren. Die Kosten der Wiederherstellung des Oeuvre beliefen sich auf 480 000 Euro. Die Hälfte wurde von der französischen Bank BNP Paribas finanziert, die bisher die Restaurierung von sechzig Werken in vierzig französischen Museen unterstützte. Im Jahr 1997 wurde mit Hilfe der Bank im Versailler Schloß bereits ein Meisterwerk von Veronese wiederhergestellt und im Jahr 2001 die Deckenmalereien des „Salon d'Hercule“.

          Für die nächsten 17 Jahre reicht die Arbeit noch aus

          Auch für die nächsten 17 Jahre ist schon vorgeplant. Vor wenigen Wochen stellte Frankreichs Kulturminister Jean-Jacques Aillagon das ehrgeizige Umgestaltungsprogramm „Grand Versailles“ vor, das in seiner ersten Phase bis 2009 etwa 135 Millionen Euro kosten wird. Es sieht die Restaurierung einer Schloßfassade sowie zweier zentraler Höfe vor. Gleichzeitig wird die Sicherheit verbessert und der Besucherempfang völlig neu gestaltet.

          Doch eine der spektakulärsten Restaurierungen dürfte wohl die des 73 Meter langen und 13 Meter hohen Spiegelsaals mit den 357 Spiegeln, 17 anmutigen Arkaden und den Deckengemälden des angesehenen Hofmalers Charles Le Brun sein. Das Reinigen, Reparieren und Aufpolieren der mehr als drei Jahrhundert alten „Galerie des Glaces“, die von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt worden ist, soll im Frühling 2004 beginnen; die Kosten werden auf gut zehn Millionen Euro geschätzt. Ende 2008 soll der Spiegelsaal, in dem große Bälle gefeiert wurden, Bismarck im Jahr 1871 nach dem deutschen Sieg das Zweite Deutsche Kaiserreich proklamierte und nach dem Ersten Weltkrieg der Versailler Vertrag unterschrieben wurde, wieder in neuem Glanz erscheinen.

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