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Architektur : Londoner Millennium Bridge wiedereröffnet

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Jetzt sturmsicher: Millennium Bridge Bild: AP

Sie war die peinlichste Panne der Londoner Millennium-Spektakels. Jetzt ist die "Millennium Bridge" wieder geöffnet - und schaukelt nicht mehr.

          Bei Nacht verwandelt sie sich in einen Lichtbogen, der die Ufer der Themse magisch überstrahlt. Gemeinsam mit dem Millennium Dome und der Tate Modern sollte die Millennium Bridge eine neue Epoche englischer Architektur einläuten. Doch als sie am 10. Juni 2000 eröffnet wurde, musste sie schon drei Tage später wieder schließen. Der Grund: Wenn Publikum die Fußgängerbrücke betrat, begann sie bedenklich zu schaukeln.

          Die Bilder der Brücke, die sich wie eine Riesenschlange über der Themse bewegte, und die Szenen vergängstigter Fußgänger, die sich an den Geländern festklammerten, gingen um die Welt.

          Mit Schock-Absorbern verstärkt

          Für fünf Millionen Pfund wurde die Brücke, ein Gemeinschaftprojekt von Foster und Partner Architekten, dem britischen Bildhauer Sir Anthony Caro und dem Ingenieurbüro Ove Arup und Partner, mit sogenannten "Schock-Absorbern" verstärkt und wiedereröffnet. Foster hatte vor der Wiedereröffnung verkündet, wenn die Brücke wieder schaukele, würde er von ihr herunterspringen.

          Doch er durfte oben bleiben. Die Brücke hielt dem Belastungstest stand, und selbst starke Wind brachten sie kaum ins Schwanken.

          Malcolm Reading, Projektleiter des Millennium Bridge Trust, sagte der "Times" zwar, es sei immer noch "Leben" in der Brücke. Aber sie fühle sich deutlich sicherer an als vorher.

          Das Publikum war jedoch nicht einhellig der Meinung, dass die stabile Brücke die bessere sei. "Es ist nur halb so aufregend wie beim ersten Mal", sagte laut "Times" ein Besucher, der schon im Juni 2000 der Eröffnung beiwohnte.

          Geheimnisvolle Seitwärtsbewegung

          Die starken Schwankungen der 18 Millionen Pfund teuren Hängebrücke hatten auch die Fachwelt überrascht. Das Bauwerk hatte alle vorgeschriebenen Tests bestanden. Experten erklärten das Phänomen mit dem Begriff „synchroner Seitenausschlag“: Wenn genug Menschen über die Brücke spazierten, verursachte jeder Schritt einen seitlichen Ausschlag. Wenn die Fußgänger, um nicht umzufallen, ihre Füße spreizten, verstärken sie den Effekt. Untersuchungen ergaben, dass die Brücke 156 Spaziergänger vertrug. Aber zehn Spaziergänger mehr führten zu einer massiven Seitwärtsbewegung des Bauwerks.

          Durch neue, massive Verstrebungen wurde der Effekt ausgeglichen.

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