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Architektur : Kirchenneubauten üben Askese

  • -Aktualisiert am

Herz Jesu in München-Neuhausen im Jahr 2000 eingeweiht: der Innenraum Bild: Holzherr

Die Bauaufgabe "Kirche" feiert in Deutschland eine überraschende Wiedergeburt. Zu Weihnachten genau das richtige Thema.

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          Die meisten Architekten sehnen sich danach, wenigstens einmal im Leben einen Sakralbau zu verwirklichen. Sie haben dabei nicht nur historische Kathedralen als Vorbild im Auge, sondern auch Inkunabeln der modernen Baukunst wie Le Corbusiers Wallfahrtskirche in Ronchamp oder Gottfried Böhms Betondom in Neviges bei Düsseldorf.

          Dass Kirchen architektonische Leckerbissen sein können, liegt auf der Hand: diese Bauten müssen sich nicht “rechnen“. Sie stehen unter keinem finanziellen Erfolgszwang und erlauben darüber hinaus dem Architekten, sich mit Raum, Inszenierung und sakraler Überhöhung eine Eintrittskarte für die Hall of Fame im internationalen Architekturhimmel zu sichern.

          Kirchen, die diesen Namen verdienen

          Spätestens mit der Nachkriegszeit war im Deutschland der 70-er Jahren die hohe Zeit des Kirchbaus vorbei. Aus Kirchen wurden damals anonyme Gemeindezentren, statt einer sinnlichen Inszenierung von Altar, Orgel oder Ambo standen funktionelle Aspekte wie Bestuhlung, Heizung und niedrige Betriebskosten im Vordergrund. Standen. Inzwischen werden in Deutschland wieder Kirchen, Kapellen und Klöster gebaut, die diesen Namen auch wirklich verdienen. Häufig sind es Ersatzbauten wie die Herz Jesu Kirche in München-Neuhausen, wo eine Vorgänger Holzkonstruktion abbrannte, oder im saarländischen Völklingen, wo eine Kirche Opfer von Bergbauverwerfungen wurde.

          Die anderen Neubauten entstehen nicht in den Innenstädten, in denen große Hauptkirchen fast vergeblich auf sonntägliche Besucher warten, sondern in Neubaugebieten am Rand der großen Städte, etwa in Hamburg-Allermöhe. Hier hat die junge Architektin Christine Edmaier unprätentiös und landschaftsverbunden eine “feste Burg“ aus Stein erbaut. Kirchen entstehen aber auch an neuen Orten wie dem erst jüngst gegründeten Stadtteil Kronsberg in Hannover, der der Expo 2000 geschuldet ist. Dort hat Bernhard Hirche eine Kirche “zum Mitmachen“ entwickelte. Die moderne, offene Form seines Betonbaus teilt symbolisch mit, dass auch Kirchen längst demokratisiert sind.

          Sehnsucht nach Sakralität

          Kirchbaumeister Hirche hat unter anderem in Hamburg der backsteinmodernen Bugenhagen-Kirche aus den 20er Jahren ein buntes Innenleben eingehaucht oder in Dortmund der gigantischen Lutherkirche aus den ersten Nachkriegsjahren eine Arche der Geborgenheit für die inzwischen kleine Großstadtgemeinde eingebaut. Hirche schätzt den neuen Kirchbauboom und dessen Gesetzmäßigkeiten vor allem sinnlich ein: “Einerseits sind Kirchen heute bautechnisch so anspruchsvoll wie Konzertsäle. Andererseits ist eine immense Sehnsucht nach sakralen Räumen zu verzeichnen. Das heißt, dass die neuen Kirchen anders als früher mehr an die Sinne als an den Intellekt appellieren.“

          Die noch jungen großen und kleine Kathedralen entwickeln ihre Sakralität und damit ihre Botschaft, "nicht von dieser Welt zu sein“ auf asketische und puristische Weise. Materialien wie sie für Gewerbebauten üblich sind - Beton, rohes Holz oder Gitterroste, wie sie in Hannover-Kronsberg zum Einsatz kamen, sind typisch. Hirche sieht darin ein “Abschotten gegen die Überreizungsflut heutiger Profanarchitektur“.

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