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Architektur : Kirchenneubau: Herz Jesu in München-Neuhausen

  • -Aktualisiert am

Fassade der Herz Jesu-Kirche in München-Neuhausen Bild: Holzherr

Zur dunklen Jahreszeit eingeweiht, weiß man jetzt: der Kirchenneubau Herz Jesu hat ausgezeichnetes Licht.

          2 Min.

          Das Münchner Architektenbüro Allmann, Sattler und Wappner konnte vor einem Jahr seinen Neubau der Herz Jesu Kirche in München-Neuhausen an die Gemeinde übergeben. Inzwischen wurde der Bau für den "Licht-Architektur-Preis" 2001 ausgewählt. Die Lichtplanung hatte eine Firma aus Washington übernommen. Der Preis wird im März 2002 in Frankfurt am Main überreicht.

          Zum zweiten Mal kann in diesem Winter in Herz Jesu Weihnachten gefeiert werden. Viele lassen die Architektur der Kirche besonders aufmerksam auf sich wirken. Schließlich hatte die Münchner Herz Jesu Gemeinde mit ihren Kirchen bisher wenig Glück: Eine hölzerne Festhalle, ursprünglich von der Theresienwiese übernommen, gab ab 1889 ihr erste Gotteshaus ab. Nach dessen Kriegszerstörung kam dann ein ehemaliger Kinosaal vom Obersalzberg provisorisch zum Einsatz. Er brannte 1994 nieder. Ein Wettbewerb wurde ausgeschrieben, an dem sich 160 bayerischen Architekten beteiligten. 1996 erhielt das junge Büro Allmann Sattler Wappner aus München den Zuschlag. Es entstand der überraschendste deutsche Kirchenneubau der jüngeren Vergangenheit.

          Dreieinigkeit in der Box

          Eigentlich ist diese Kirche eine einfache Glasschachtel im Holzkarton. Auf den ersten Blick. Nachts mutiert der fast hermetische Bau dann, wie der Architekt und Kirchenbauer Meinhard von Gerkan beschrieb, zu einem großen Kristall, der von innen leuchtet. Und von innen offenbart sich auch die gesamte Großartigkeit dieser Kirche: Hinter dem opaken Glas der Wände steht ein Würfel aus Ahornholz. Er sorgt für kubische Geborgenheit. Kein gewöhnlicher, sondern ein würdiger Ort ist entstanden. Und dabei ist es vor allem das Licht, das seinen Weg von innen nach außen und von außen nach innen durch Holzspaliere und Glas sucht und findet. Mit Wucht und Indifferenz sorgt das Licht für magische Ruhe und gleichzeitig für lebendige Abwechselung.

          Herz Jesu Kirche von Allmann, Sattler und Wappner mit geöffneten Toren

          Die "Bauwelt" lobte im Insiderdeutsch eines Fachblattes: "Mehr Differenzierung, Spiegelung und mehrdeutige Brechung, kurz, mehr verschieden lesbare Transparenz als in München dürfte kaum möglich sein." Interessant ist, mit welch einfachen Mitteln sich hier Expressivität und Raumkraft entfalten. Außerdem garantiert die doppelte Bauschale mit ihrer Aufteilung in eine Raum- und eine Außenhaut, optimale energiesparende und klimatische Bedingungen.

          Kommt alle zu mir ...

          Die "Schachtel" wird innen durch ein raumhohes, aber einfaches Kreuz an der Altarwand dominiert, die mehr Schattenspiel als greifbares Zeichen ist. Ansonsten kommt der Raum ohne Ornamente und Design aus. Er steht für eine neue Einfachheit, die vor der Folie der sonst üblichen Reizüberflutung sensationell überzeugend wirkt.

          Die Architekten gaben der Kirche ein großes Thema: "Macht auf das Tor, die Tür macht weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit". Die Fertigstellung von Herz Jesu fiel ins Heilige Jahr 2000, in dem am Petersdom in Rom die "Heilige Pforte" als Ziel vieler Wallfahrten geöffnet wurde. Nach diesem Motto läßt sich die Front der Glasschachtel als riesige zweiflügelige Tür haushoch öffnen. Der Blick reicht dann bis zur Rückfront im Andachtsraums der Apsis. Diese Kirche verkündet als sprechende Architektur auch die Botschaft aus dem Matthäus Evangelium 11,28, das Johannes Paul II. im Ferbuar 2000 bei der Eröffnung der "Heiligen Pforte" zitierte: "Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt".

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