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Architektur in Peking : Sie können auch anders

  • -Aktualisiert am

Endlosschleife, 3-D-Produkt und Yin-und-Yang-Zitat: Pekings Mediencenter Phoenix hat viele Gesichter Bild: picture alliance / dpa

Peking bekommt ein neues Mediencenter. Yin und Yang werden hier ebenso Gestalt wie neueste Computertechnologie. Welche der beiden Sphären wird sich durchsetzen?

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          Der chinesische Staatssender CCTV hat seine spektakuläre von Rem Kohlhaas und Ole Scheeren entworfene Pekinger Zentrale nach dreijähriger Verspätung plötzlich für vollendet erklärt; als erste Redaktion soll der Sportkanal dorthin umziehen. In China hatte sich an dem verschlungenen Gebäude die bislang grundsätzlichste Diskussion darüber entzündet, welche Rolle Internationalität und von westlicher Ästhetik definiertes architektonisches Zeitgenossentum für die Gestaltung der Hauptstadt spielen sollen.

          Mark Siemons

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Chinesische Kritiker hatten dem Möbius-Schleifen-Bau, der im Westen wegen seiner Affinität zu Pekings Propagandaapparat attackiert wurde, vorgeworfen, ein Dokument der „Selbstkolonialisierung“ zu sein: Im blinden Streben nach globaler Anerkennung habe sich die Stadt ausländischen Architekten an den Hals geworfen, die ein monströses Gebäude ohne jeden Bezug zu seiner Umgebung erstellt hätten. Nicht zum Thema gemacht wurde, dass auch die übrige Pekinger Stadtplanung auf urbane Zusammenhänge selten Rücksicht nimmt. Das Feuer, das 2009 das zum Komplex gehörende Hochhaus zerstörte, interpretierten viele Pekinger als Ende einer Ära der Anbiederung.

          Ein Zwischenwesen

          Unterdessen wartet nicht weit davon, im selben Stadtteil Chaoyang, ein Gebäude auf seine Vollendung, das die globale Selbstdarstellung Pekings eine dialektische Windung weiter treibt: das Medienzentrum des Hongkonger Satellitensenders Phoenix. Bislang war das Projekt einer zeitgenössischen Monumentalarchitektur Sache von europäischen Architekten, die bei vom chinesischen Staat finanzierten Bauten wie dem Olympiastadion, dem neuen Pekinger Flughafen oder eben dem Staatssender in wesentlich größeren Maßstäben planen konnten, als ihnen das in der knapper kalkulierenden Heimat möglich gewesen wäre.

          Nun führen Pekinger Architekten das Projekt weiter. Sie gehören ausgerechnet jenem Staatsbüro an, das in den fünfziger Jahren für die sozialistische Umgestaltung Pekings und für Großanlagen wie den Tiananmenplatz oder die Große Halles des Volkes verantwortlich war. Mit dem Phoenix-Gebäude entwirft das Büro jetzt in einer eigentümlichen Rochade das Design eines privaten Unternehmens, das auch noch halb aus dem Ausland kommt, nämlich aus der teilautonomen Zone Hongkong.

          Das Medienzentrum ist ein Zwitter, ein Zwischenwesen in mehrfacher Hinsicht, und hat vielleicht gerade deshalb das Zeug, zu einem Symbol der ambivalenten Veränderungen in China zu werden. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als würden die auffälligsten Merkmale der bisherigen internationalen Großprojekte kombiniert: die endlose Schleife der CCTV-Türme mit den stählernen Waben des von Herzog&de Meuron entworfenen Olympiastadions. Doch im Unterschied zu diesen Solitären bringt es das muschelförmige Gebäude fertig, wie ein gerade gelandetes Ufo zu erscheinen und gleichzeitig wie etwas, das genau an diese Straßenkreuzung am Rand des Chaoyang-Parks, der größten Grünfläche der Stadt, hingehört. Wahrscheinlich liegt dies nicht zuletzt daran, dass ein Gutteil der 65000 Quadratmeter Nutzfläche unter die Erde gelegt sind, was dem sich bloß 55 Meter über seine Umgebung erhebenden Bau etwas Anschmiegsames gibt.

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