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Architektur : Deutschlands Architekten sind Exportzwerge

  • -Aktualisiert am

In Deutschland umstritten: deutsche Botschafterresidenz in Washington von O.M. Ungers Bild: O.M. Ungers

Als kreative Köpfe haben deutsche Architekten wenn auch keinen schlechten, so doch zumindest einen äußerst leisen Ruf.

          2 Min.

          Die Frankfurter Buchmesse spült so manch kurioses Buch an das Ufer des Mains: beispielsweise „Neue Britische Architektur in Deutschland“ - kein schmales Bändchen, sondern ein Prachtbuch mit 160 Seiten und 24 Beispielen. Kein Wunder: Norman Foster baute den Berliner Reichstag um, und auch James Stirling, David Chipperfield oder Nick Grimshaw sind hierzulande keine Unbekannten mehr.

          Auf das Buch „Deutsche Architekten bauen in Britannien“ wird man hingegen warten müssen: Der Exportweltmeister Deutschland hat das Produkt „Architektur“ nicht auf seinen Listen. Deutschland in Sachen Architektur Import- und ist damit Entwicklungsland?

          Das ist der Stand: Die internationale Architekturdiskussion bestimmen Länder wie Amerika, Japan und überraschenderweise auch unsere kleine Nachbarn Holland und die Schweiz. Der Niederländer Rem Koolhaas ist ein Weltstar, dagegen Hans Kollhoff, Architekt aus Berlin, nur in Deutschland richtig bekannt und im Ausland ein Berliner Exot. Der Amerikaner Frank O. Gehry ist weltberühmt, der Hamburger Architekt Meinhard von Gerkan hingegen ein Außenseiter, wenn auch ein geachteter.

          Technokraten statt Akrobaten?

          Dabei sind deutsche Architekturbüros für ihre technische Zuverlässigkeit und ihr Organisationstalent durchaus weltbekannt. Für avantgardistisches Design eher nicht. In der Bausumme seiner Projekte kann GMP, so der Name des Architektenbüros von Gerkans, mit Frank O. Gehry durchaus mithalten. Die Hamburger wickeln in Soul, Algier, Teheran und Peking Großprojekte wie Flughäfen und Großmessen ab.

          Nach dem Weltkrieg hatten viele geniale Architekten wie Mies van der Rohe das Land verlassen. Aber das ist lange her. Was machen die Enkel? Warum tauchen im Standardwerk der heutigen Architekturkritik „10 x 10“ unter den gewürdigten Architekten so gut wie keine Deutschen auf? Kristin Feireiss, langjährige Direktorin des niederländischen Architekturinstituts, meint: „Deutsche Architekten werden im Ausland unter Wert präsentiert. Aber solange wir keinen Stolz auf unsere Architektur entwickeln, kann das auch keine Auswirkung auf die Außenwirkung haben!“

          In Italien ist der Dottore Architetto ein „Gott“, und es wäre undenkbar, dass ein Ausländer französische Botschaftsgebäude baut. Die Deutsche Botschaft in Helsinki hat hingegen der finnische Architekt Juha Leiviskä entworfen. Und wenn der deutsche Architekt Oswald M. Ungers in Washington die Botschafterresidenz baut, muss er sich aus der Heimat Schelte gefallen lassen, die ihn fast in die Nähe eines faschistischen Baumeister rückte. In Amerikas wunderte man sich darüber zu Recht: Dort weiß man Qualität durchaus zu würdigen.

          Besser als der Ruf

          In Deutschland schmückt man sich lieber mit Namen wie Helmut Jahn, dem Deutschen, der schon lange in Chikago lebt, dem in Genua arbeitenden Renzo Piano, dem Architektenbüro Herzog u. de Meuron aus Basel und natürlich Norman Foster, London. Das gilt nicht nur für Berlin, sondern auch für Frankfurt, Hamburg oder München. Deutsche müssen sich im Inland oft mit Schwarzbrotaufträgen begnügen, können sich oft in Wettbewerben ungerechterweise nicht gegen ausländische Konkurrenz durchsetzen.

          Was kann man ändern? Gefordert sind Regierung und Architektenverbände gleichermaßen. Eine breite Promotion müsste angelegt werden, denn eines ist klar: Wie der Deutsche Film, ist auch die Deutsche Architektur besser als ihr Ruf. Nur weiß das bisher kaum einer.

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