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Architekt Richard Meier : Denn der Patron baut weißer als weiß

Da muss man ja einfach jubeln: Richard Meiers „Jubilee Church“ in Rom, ein Bau als Kunst Bild: Scott Frances

Deutschland verdankt dem Architekten Richard Meier etliche neue Museen. Auch das in Rolandseck. Dort feiert man nun Schöpfer und Bau.

          2 Min.

          Das Arp Museum in Remagen-Rolandseck ist ein Museum für den Sonntagsausflug. Rheinromantik und in diesen Wochen „Indian Summer“ inklusive, Federweißer und Zwiebelkuchen gegen Aufpreis. Architektur war hier bisher kein großes Thema, außer durch den eleganten Neubau, den Richard Meier über den spätklassizistischen Bahnhof an den Hang gestemmt hat.

          Andreas Rossmann

          Freier Autor im Feuilleton.

          Jetzt aber wird ihr, zum fünften Geburtstag des Hauses, ein „Themenjahr“ ausgerichtet, und das gipfelt in einer Ausstellung über den 1934 geborenen Stararchitekten aus New York, der Le Corbusier als großes Vorbild nennt und wie kein anderer seiner Generation die Ästhetik des Bauhauses fort-, aber auch engführt, verfeinert und veredelt: „Eine Hommage“, so heißt es im Katalog, „an unseren dritten Museumspatron“, dem dafür die Beletage freigeräumt wurde. Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp sind als Namensgeber die beiden ersten.

          Skulpturale Bauten in bestem Licht

          „Richard Meier - Building as Art“ lautet der Titel der Schau. Einsprachig, international. Doch auch ihr Dilemma ist damit angesprochen, denn Architektur wird hier nicht nur als, sondern auch wie Kunst gezeigt. „Bitte nicht berühren!“ Jedes Projekt wird mit Fotografien, Zeichnungen, Entwürfen und Plänen an die Wand gehängt, bei manchen steht ein wunderbar detailreich ausgearbeitetes Holzmodell davor, jedes wird als Solitär behandelt.

          Gerade mal fünfzehn aus dem mehr als 250 Bauten umfassenden Lebenswerk sind es insgesamt, Villen und Museen vor allem, aber auch die „Jubilee Church“ in Rom, die dort - nicht so international - „Chiesa di Dio Padre Misericordioso“ heißt, und der Wissenschaftscampus des J. Getty Center auf den Höhen von Brentwood bei Los Angeles, opus magnum des weltweit tätigen Architekten, seine Akropolis. Die Großaufnahmen setzen die Häuser, strahlend weiß, makellos und exquisit, als skulpturale Bauten ins allerbeste Licht - und stellen das Licht des Baumeisters, der wie kaum einer seiner Kollegen mit ihm zu arbeiten versteht, nicht unter den Scheffel.

          Bekannte Fotografien

          Mehr aneinandergereiht als geordnet ist die kleine Auswahl, deren Kriterien offenbleiben, nach fünf Gesichtspunkten: Ort, Licht, Farbe, Weg, Proportion. Wie ihnen die Beispiele zugeordnet werden, wirkt lapidar und wenig inspiriert, und da statt Bildlegenden nur ein umständlich gegliedertes Begleitheft die Objekte ausweist, fällt die Orientierung schwer. Was Neugier weckende Erläuterung verdient, wird dem ehrfürchtigen Staunen anheimgegeben. Die älteren Fotografien, ähnlich perfekt wie ihre Gegenstände, kommen einem bekannt vor. Die meisten sind der weitverbreiteten Monographie über Richard Meier entnommen, die 1995 im Taschen Verlag erschienen ist.

          Doch gute, geglückte Architektur ist, auch wenn einige ihrer prominentesten Protagonisten gerne das Gegenteil behaupten, nie ein bloßes Kunstwerk, sondern muss, da Bauten an Zwecke gebunden sind, immer beides, anmutig und gebrauchstüchtig, sein. Die Frage, wie es damit bei Richard Meier bestellt ist, aufzugreifen und darzustellen, versäumt die von Sylvia Claus und Matthias Schirren konzipierte Ausstellung, und das obwohl das Haus als erstes Exponat und die Erfahrungen, die in fünfjähriger Museumsarbeit mit ihm gesammelt wurden, dafür reichlich Material bereitstellen könnten.

          Wie hat es sich als Kunstgehäuse bewährt, wie steht es um das Licht, wenn es aus konservatorischen Gründen gedämpft werden muss, wie um die Klimatechnik und die Energiebilanz, wie um den Pflegeaufwand und den Alterungsprozess der weißemaillierten Alu-Paneele, mit denen der Bau verkleidet ist. Welche Herausforderungen stellt es an die Ausstellungsmacher? Die Nutzer, zu denen nicht zuletzt die Besucher gehören, in eine Kommunikation über das Haus zu ziehen hätte die Architektur nicht einfach für sakrosankt erklärt, sondern ein fragendes Verhältnis zu ihr entwickeln helfen können. So wird dieser bedeutende Architekt im Arp Museum nur gefeiert. Der Sonntagsausflug wird zur Pilgerfahrt. Richard Meier hätte mehr verdient.

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