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Archäologisches Zentrum in Berlin : Lichtblitze im Tempel des Wissens

Arsenal und Forschungsstätte: der Bau der Architekten Joel Harris und Volker Kurrle Bild: Thomas Meyer

Ein punktgenau klimatisierter Kubus für die Forscher: Das neue Archäologische Zentrum in Berlin ist ein Glücksfall für die deutsche Altertumswissenschaft.

          2 Min.

          Es gibt Gebäude, die ein Stück Stadt neu erfinden. Und es gibt Bauten, die eine Lücke schließen. Das müssen nicht die schlechteren sein, und deshalb darf man das neue Archäologische Zentrum der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, das am Mittwoch eingeweiht wurde, als städtebaulichen Zugewinn für Berlin verbuchen.

          Andreas Kilb
          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Es füllt die Brache, die neben den bisher schon von der Stiftung genutzten Teilen der ehemaligen Friedrich-Engels-Kaserne bestand, und es schließt an das gegenüberliegende Grimm-Zentrum der Humboldt-Universität an, dessen von dem Schweizer Architekten Max Dudler gestaltete Lamellenfassade - Dudler spricht lieber von Lisenen - das Viertel an der Stadtbahntrasse dominiert.

          Puristisches Auftrumpfen

          Allerdings hätte der Anschluss getrost ein wenig bescheidener ausfallen können. Joel Harris und Volker Kurrle, die 2007 den Architektenwettbewerb gewannen, dachten bei ihrem Entwurf an ägyptische Tempel und Ziegelspeicher des neunzehnten Jahrhunderts, und entsprechend großspurig schiebt sich das Hauptgebäude zur Geschwister-Scholl-Straße vor, klotzig, trutzig, monumental.

          Im Seitentrakt, der sich in spitzem Winkel zur Museumsinsel streckt, verliert der 47-Millionen-Euro-Bau ein wenig an Schwere, aber das Gestaltungsprinzip bleibt das gleiche, ein brauner Kubus mit Lüftungsschlitzen. Dieses puristische Auftrumpfen setzt sich im Inneren fort, in der zackigen Härte des Treppenhauses, in den Raumhöhen auch der oberen Etagen und in dem Grellweiß, das die gesamte Anlage beherrscht und an sonnigen Tagen zu Lichtblitzen und -fluten führt, von denen die alten Griechen und Römer nur träumen konnten.

          Deren skulpturale Hinterlassenschaft bildet den kleineren Teil der Schätze, die neben Fachbibliotheken, Fotoateliers und Restaurierungswerkstätten in dem Neubau residieren; der größere gehört der Ägyptologie. Wenn man mit Friederike Seyfried, der Direktorin des Ägyptischen Museums, durch die neuen Magazinräume geht, begreift man erst richtig, was das Archäologische Zentrum für die Berliner Forschungslandschaft bedeutet.

          „Masterplan Museumsinsel“

          Bisher waren mehr als hundert Holzsarkophage und sechzigtausend Papyri aus vier Jahrtausenden im überfüllten Keller des Pergamonmuseums und provisorisch im Schloss Charlottenburg untergebracht. Jetzt liegen sie, in ausziehbaren Regalen oder breiten, flachen Schubladen aufbewahrt, in punktgenau klimatisierten Sälen. Viele werden dadurch zum ersten Mal überhaupt der Wissenschaft zugänglich. Es sei ein historischer Moment, sagt die Restauratorin Myriam Krutzsch, den man hier erlebe: der Augenblick, in dem die Sammlung die ihr gemäße Form bekommt.

          Nebenan, auf dem dreieckigen Areal, das zwischen dem Archäologischen Zentrum und der Bahntrasse liegt und zum Kupfergraben von den sogenannten Museumshöfen begrenzt wird, soll irgendwann der Erweiterungsbau des Bodemuseums entstehen, in dem die Preußenstiftung den „nördlichen“ Part der Gemäldegalerie Alte Meister unterbringen will. Auf der jüngst freigeschalteten nagelneuen Website zum „Masterplan Museumsinsel“ ist das Gebäude schon als durchsichtiges Füllsel eingespiegelt.

          Ob dieses Luftschloss je gebaut wird, muss die Machbarkeitsstudie des Bundesbauamts erweisen, die im Frühjahr veröffentlicht werden soll. Sein nüchterner Nachbarbau immerhin ist jetzt Berliner Realität.

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