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Archäologische Sensation : Die Beglaubigung Bethlehems

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„Im siebten (Jahr) / Bethlehem / Für den König“: Das entdeckte eineinhalb Zentimeter große Lehmsiegel stammt aus dem 7. oder 8. Jahrhundert vor Christus Bild: Haaretz

Der Fund eines Lehmsiegels macht Furore: Zum ersten Mal scheint ein archäologischer Nachweis für die historische Existenz der biblisch-judäischen Stadt Bethlehem vorzuliegen.

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          Israelische Archäologen melden eine Sensation. Bei Ausgrabungen in der umstrittenen sogenannten Davidstadt südlich der Jerusalemer Altstadt ist ein Siegel gefunden worden, das sie als ersten archäologischen Nachweis für die Existenz der biblisch-judäischen Stadt Bethlehem deuten.

          Das nicht vollständig erhaltene eineinhalb Zentimeter große Lehmsiegel, das vermutlich zur Rechtsbekräftigung von Warensendungen oder zur Beglaubigung von Urkunden diente, ist mit der dreizeiligen Aufschrift „Im siebten (Jahr)/Bethlehem/Für den König“ versehen.

          Dies ist die erste namentliche Erwähnung von Bethlehem auf einem archäologischen Fund, der, so wird vermutet, aus dem siebten oder achten Jahrhundert vor Christus stammt. Eine solche Datierung untermauert die auf dem Siegel verwendete althebräische Schrift, die als Abwandlung der phönizischen zwischen dem zehnten und dem fünften Jahrhundert vor Christus im Königreich Juda in Gebrauch war, ehe sie durch das spätere hebräisch-aramäische Alphabet abgelöst wurde.

          Von unschätzbarem Wert

          Für den israelischen Archäologen Eli Shukroun, der die Ausgrabungen in der Davidstadt leitet, ist das Fundstück auch deshalb von unschätzbarem Wert, weil es israelischen Archäologen nicht möglich ist, in der Stadt Bethlehem selbst Grabungen durchzuführen.

          Shukroun nimmt an, dass das jetzt entdeckte Lehmsiegel aus der Herrschaftszeit eines der judäischen Könige Hiskija, Manasse oder Joschija stammt. Es könnte zum Versiegeln einer damals in Form von Silber, Naturalien oder Wein entrichteten Steuersendung benutzt worden sein.

          Ein ähnliches Siegel, das etwa an gleicher Stelle vor drei Monaten entdeckt wurde, enthielt ebenfalls den „König“ als Adressaten, Absender war die Stadt Gibeon.

          Die Begeisterung in Israel über das Bethlehem-Siegel rührt daher, dass in der jüdischen Tradition das judäische Bethlehem als Geburtsort von König David gilt und im Alten Testament mehrmals erwähnt wird.

          Auch wenn für die Christenheit der Ort in erster Linie als Geburtsstadt Jesu Christi im Vordergrund steht, dürfte die Entdeckung Anlass zu doppelter Freude liefern, wird doch Christi Abstammung im Neuen Testament in Bestätigung alttestamentlicher Prophezeiungen über den kommenden Messias auf das „Haus David“ zurückgeführt.

          Beweis für die Existenz einer Schatzkammer

          In Israel hat indes jede wichtige Entdeckung von Funden aus biblischer Zeit nicht nur eine religiöse, sondern meist zugleich auch eine politische Bedeutung. So ist für das israelische Archäologen-Team in der Davidstadt das Bethlehem-Siegel auch ein willkommener Mosaikstein, mit dem die zionistischen Altertumswissenschaftler ihre These zu festigen meinen, dass auf dem Areal der Grabungstätte einst ein oder gar mehrere prächtige Paläste früherer judäischer Könige gestanden hätten.

          Obgleich für diese Behauptung bislang kaum Belege erbracht werden konnten, ist der neue Fund für Eli Shukroun ein Beweis für die einstige Existenz einer judäisch-königlichen Schatzkammer am Fundort.

          Auch dies wird der israelischen Öffentlichkeit als Sensation präsentiert, mit der wohl nicht nur der jüdische Anspruch auf Jerusalem zementiert, sondern auch die politisch umstrittenen Ausgrabungsarbeiten in der Davidstadt legitimiert werden sollen.

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