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„Arbeitsscheue“ in Auschwitz : Im Zeichen des schwarzen Winkels

  • -Aktualisiert am

Ende Januar 1945: Häftlinge verlassen das Konzentrationslager Auschwitz. Bild: Picture-Alliance

Der Leidensweg der „Arbeitsscheuen“ in der Zeit des Nationalsozialismus wurde vergessen: Die unfassbare Odyssee des Auschwitz-Überlebenden August Schäfer III aus Nister.

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          Wenn sich am 27. Januar zum 75. Mal die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau jährt, dann werden Trauer und Betroffenheit in den jüdischen Gemeinden weltweit groß sein. Zurückdenken wird auch der 93 Jahre alte Helmut Schäfer in einem Hachenburger Seniorenheim. Sein Vater gehörte zu einem Kreis von Verfolgten, deren Schicksal erst seit den achtziger Jahren vermehrt Beachtung findet. In der NS-Sprache war August Schäfer ein „Asozialer“, der von 1938 bis 1945 eine Gewalttour durch drei Konzentrationslager erlebte. Mit Hilfe von Akten aus Archiven und Gedenkstätten, anhand von Katasterunterlagen und Zeitzeugenberichten lässt sie sich noch rekonstruieren. Nachvollziehbar wird ein kaum vorstellbarer Leidensweg, der die sich vortastende und im Krieg verschärfte Verfolgungspolitik des NS-Staates gegenüber unangepassten Mitbürgern widerspiegelt.

          1928 schien die Welt noch in Ordnung. August Schäfer III, geboren am 16. Mai 1893 in einer kleinbäuerlichen Familie, lebte seit seiner Geburt im Westerwalddorf Nister. Von 1922 an war er mit der vier Jahre jüngeren Frieda Schlauch verheiratet, zog mit ihr zwei Kinder auf und arbeitete als Packer in der Holzgroßhandlung Schumacher in der nahen Kleinstadt Hachenburg. Die ersten Jahren waren harmonisch, der Mann sei herzensgut zu ihr gewesen, erinnerte sie sich bei einer späteren gutachterlichen Befragung. Das Ehepaar nahm zwei Darlehen in Höhe von insgesamt 5000 Goldmark auf und begann, auf einem erworbenen Stück Land ein Haus zu bauen.

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