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50 Jahre Mondlandung : Die Erde klein am Horizont

Kurz vor ihrer Rückkehr nahmen die Astronauten von Apollo 11 diese Erdsichel als eines ihrer letzten Fotos auf. Bild: Image Science and Analysis Laboratory, NASA-Johnson Space Center.

War die erste Mondlandung wirklich ein großer Sprung für die Menschheit? Zumindest lehrte sie uns Menschen mindestens so viel über uns wie über den Erdtrabanten selbst.

          Auch heute noch muss uns die Tatsache, dass vor genau fünfzig Jahren zum ersten Mal Menschen auf dem Mond gelandet sind, eine Mischung aus Unglaube und Ehrfurcht einjagen, zumindest wenn wir uns wirklich auf den Gedanken einlassen, dass unsere Spezies unbeschadet den rund 385 000 Kilometer weiten Weg zu dem fremden Himmelskörper auf sich genommen hat, den wir nachts als vertraute ferne Welt am Himmel stehen sehen; den Himmelskörper, der seit je her unsere Vorfahren mit seinem sanften Licht und seinem stetigen Wandel dazu veranlasst hat, sein Wesen im Gegen- und Wechselspiel mit der Sonne zunächst mythologisch zu ergründen, bevor sich dann griechische Denker auf die Suche nach physikalischen Ursachen seines Verhaltens machten. Die auf das Staunen folgende Frage nach dem Warum, die sich an unsere Beobachtungen der Sonne und des Monds charakteristisch menschlich anschließt, markierte so schließlich den Beginn von Philosophie und Wissenschaft.

          Sibylle Anderl

          Redakteurin im Feuilleton.

          Viele Generationen von Menschen träumten verwegen von Reisen zum Mond und von dem, was dort zu finden wäre: Exotische Wesen, Wälder, Meere, Erdähnliches und Andersartiges, Paradies und Verderben. Teleskope sorgten für eine erste Entzauberung des Erdtrabanten, auch wenn die Menschen noch lange nur allzu bereit waren, an sonderbare Mondmythen zu glauben, wie eine Zeitungsente von 1835 zeigte: Die „New York Sun“ hatte damals weltweit mit einem Bericht für Schlagzeilen gesorgt, John Herschel, der Sohn des berühmten Astronomen Wilhelm Herschel, habe auf dem Mond Fledermausmenschen entdeckt.

          Die Südhalbkugel des schon wieder nahen Heimatplaneten, aufgenommen am 24. Juli 1969

          Russische und amerikanische Sonden demonstrierten schließlich, dass eine Landung auf dem Mond tatsächlich glücken könnte, all das schon staunenswerte Triumphe auf der Grundlage der sich immer schneller entwickelnden Technologie der vergangenen 400 Jahre. Dass aber Michael Collins, Neil Armstrong und Edwin Aldrin mit den aus heutiger Sicht sehr beschränkten technischen Möglichkeiten der späten sechziger Jahre, mit einem Bordcomputer, der in seiner Rechenleistung heute von den meisten Waschmaschinen in den Schatten gestellt wird, das größte Abenteuer der Menschheit zu einem guten Ende bringen konnten, das erscheint heute, fünfzig Jahre und so manche technologische Revolution später, im Rückblick schwer vorstellbar – zumal seit 1972 kein Mensch mehr den Mond betreten hat. Die Erinnerung an Apollo 11 erschöpft sich aber keinesfalls darin, die Größe der damaligen Leistungen anzuerkennen.

          Anlass zur Selbstreflexion

          Am meisten, und darin sind sich trotz einer Vielzahl wissenschaftlicher Ergebnisse des Apollo-Programms viele Beobachter einig, haben wir schließlich aus den Mondmissionen nicht über den Mond, sondern über uns Menschen gelernt – vieles, das in diesem Kontext diskutiert wurde, besitzt noch heute Aktualität. So begann schon damals das Spannungsfeld unserer menschlichen Eigensicht zwischen humaner Selbstbestimmtheit und Technologiegesteuertheit zutage zu treten. Der sich der allgemeinen Weltraumbegeisterung der sechziger Jahre weitgehend entziehende Philosoph Günther Anders beklagte beispielsweise anlässlich der ersten Weltraumflüge die bloßen „Knopfdruckleistungen“ der Abenteurer, deren Ruhm eigentlich nur den hunderttausenden Wissenschaftlern und Technikern im Hintergrund zukommen könne. Die Astronauten seien letztlich alles andere als Helden, vielmehr Ausführende der von anderen akribisch geplanten Abläufe.

          Wenn wir heute die ausführlichen Dokumentationen der Missionen nachvollziehen, sehen wir freilich, dass Anders mit dieser Analyse irrte. Denn in den Funk-Transkripten und Reporten ist unübersehbar, wie sehr das Gelingen insbesondere auch der ersten Mondlandung neben den Leistungen der Vielen im Hintergrund auch die manuelle Steuerung, die individuellen Reaktionen der Raumfahrer auf technisches Versagen und andere unvorhergesehene Herausforderungen erforderte – kaum notwendig zu sagen, dass die Planung derart riskanter Missionen heute kaum mehr möglich wäre. Die damals aufgeworfene Frage stellt sich uns fünfzig Jahre später aber erneut in anderen Kontexten: Wo ist der Mensch noch unersetzlich und mehr als bloßes Maschinenimitat? Wo brauchen wir kreative Helden und wo reichen zuverlässige Algorithmen?

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