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Palm Beach : Apoll unter Palmen

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Dabei begann die Florida-Premiere für Robert Landau mit einem Schock: Die Beamten am kanadisch-amerikanischen Zoll packten seine mehr als hundert im Container verstauten Werke mit einem Gesamtwert von 200 Millionen Dollar Stück für Stück aus, "ohne freilich zu wissen, was sie da in Händen halten". Der Kunsthändler zitterte, nicht nur wegen der minus 40 Grad. Dafür entfacht die Kunst von Picasso, Miro, Chagall, Léger oder Modigliani ein Feuer der Farben und Formen an seinem Stand. Zentral hängt aus Landaus Bestand Picassos 114 mal 195 Zentimeter messendes Ölbild "Les Dormeurs", ein Hauptwerk der Phase um 1965, das einst in Kahnweilers Büro über dessen Schreibtisch hing und viele museale Ausstellungen erlebte (12,5 Millionen Dollar). Auf knappen 24 mal achtzehn Zentimetern hielt Picasso 1938 das Antlitz seiner Dora Maar fest, das, aus einer New Yorker Privatsammlung stammend, für 575 000 Dollar zu haben ist. Eine Landschaft von Georges Braques in typischer Fauve-Manier steht für sechs Millionen Dollar bereit. Bei Krugier besticht Jawlenskys in kräftigem Rot und Pink gehaltene "Frau mit Kopfbinde (Hélène)" von 1909 (7,5 Millionen Dollar), "eines seiner schönsten und bedeutendsten Werke in Privathand", findet Jan Krugier selbst. Aus dem Jahr 1936 stammt Beckmanns "Stilleben mit Plastik", das er für 3,5 Millionen Dollar anbietet.

Inmitten der Giganten der Klassischen Moderne nimmt sich der Stand von Stefan Brenske nahezu bescheiden aus, dabei hat der Münchner ein besonders raffiniertes Konzept: Basierend auf seiner Studie "Ikonen und die Moderne", soeben bei Schnell und Steiner erschienen, in der er den visuellen Einfluß des östlichen Kultbilds auf die westliche Kunst analysiert, entfacht sein Stand einen Dialog der Kulturen, wenn er zwischen seine Ikonen die "Composition rose et lit-de-vin" von Poliakoff mit der ihr eigenen Spiritualität plaziert. Von Ikonen heißt es, sie seien Fenster zur Ewigkeit. Nicht alle Werke, die auf der "Palm Beach!" zu sehen sind, können dies für sich beanspruchen. Die Suche nach dem Ewiggültigen, das die Künstler stets umtreibt, geht schnell verloren im hektischen Messetreiben. Doch andererseits hat man wenigstens für einen Augenblick die Chance, ein Bild zu sehen, ehe es für die nächsten Jahrzehnte wieder verschwindet. Die Meditation ist dann wieder das alleinige Privileg des Käufers.

SANDRA KEGEL

Bis 13. Februar. Täglich von 12 bis 19 Uhr, am 13. Februar von 12 bis 18 Uhr. Eintritt inklusive Katalog 25 Dollar.

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