https://www.faz.net/-gqz-q0ia

Palm Beach : Apoll unter Palmen

  • Aktualisiert am

Gordian Weber aus Köln, in dessen hier spartanisch anmutender Koje einige wenige Werke vor weinrotem Hintergrund hell erstrahlen, trumpft auf mit einem monumentalen, 2,30 Meter messenden phönizischen Sarkophag, um 400 vor Christus, der mit seinem Gewicht von 800 Kilogramm allein 15 000 Dollar Transportkosten verschlang: In Palm Beach sicher angekommen, schlägt der fürstliche Sargdeckel, der sich in Besitz einer Beiruter Familie befand, nun mit teuren 1,4 Millionen Dollar zu Buche. Stolz aber ist der junge Antikenhändler, der zum zweiten Mal in Palm Beach gastiert, darauf, in der ganzen Stadt präsent zu sein: Einer seiner Köpfe, der Lichtgott Apoll, ziert die Messebanner, die allerorts im Wind flattern.

Auch bei den Altmeistern ist Deutschland mit der Galerie Colnaghi-Bernheimer bestens vertreten. Neben zwei Tischbein-Porträts, von sich selbst und seiner Frau für zusammen 720 000 Dollar, hat der Münchner "Le Chat Angora" von Marguerite Gerard mitgebracht. Das Ölbild mit einer spiegelnden Kugel im Zentrum, um die sich die Katze und eine junge Frau gruppieren und das auch den Künstler selbst zeigt, zitiert die holländischen Meister des 17. Jahrhunderts. Im Original kann man solche gleich um die Ecke bei Noortman aus Maastricht bewundern; etwa eins der Stilleben des Gerrit Willemsz Heda von 1643, das den Vanitas-Gedanken mit stürzenden Krügen und zerbrechlichem Glas gestochen scharf illustriert (1,14 Millionen Dollar). Rührend dagegen ist der kleine Blumenstrauß, den Vater und Sohn, Jan Brueghel d. Ä. und Jan d. J., gemeinsam flochten (690 000 Dollar). Erstmals in Palm Beach zeigt seine altmeisterliche Graphik die Frankfurter Handlung Helmut H. Rumbler, die neben Rembrandt-Blättern im Wert von einigen Millionen Dollar einen seltenen kolorierten Metallschnitt in Schrotmanier eines anonymen deutschen Meisters, um 1465, zeigt (220 000 Dollar).

Daß in Palm Beach das Geld regiert, nicht aber unbedingt der Geschmack, weiß auch Lorenzo Rudolf, der seit zwei Jahren in Miami lebt. Er beschreibt die Messe deshalb nicht nur als Schule des Sehens, sondern als "Verführung zur Kunst". Das exklusive Mise en scène der Veranstaltung, entworfen vom Landschaftsarchitekten Mario Nievara, soll den luxusverwöhnten New Yorker, der hier endlich Zeit hat, am Schopfe und freilich auch am Portemonnaie packen. Ein Zugeständnis der Messe an diese Klientel ist die Zusammenarbeit mit sechs Innenarchitekten, die hier erstmals selbst gestaltete Kojen präsentieren dürfen. Diese decorators übernehmen oft genug die komplette Einrichtung der Häuser, vom Zahnputzbecher bis zum Picasso überm Sekretär. Gleiches gilt für die zahlreichen Möbel-Aussteller, deren Stände, voll von Rokkokosesseln über chinesische Seidenpanele hin zu Boisserien, bisweilen aus allen Nähten platzen. Hingegen gerät die "Palm Beach!" bei der in diesem Jahr erstmals gezeigten Klassischen Moderne tatsächlich zu einer Verführung. Allen voran faszinieren die Werkbestände von Jan Krugier, New York und Genf, der gemeinsam mit dem New Yorker Richard L. Feigen einen Stand unterhält, und von Landau Fine Art aus dem kanadischen Montreal.

Weitere Themen

Kunst am Fuße der Pyramiden Video-Seite öffnen

Ägypten : Kunst am Fuße der Pyramiden

Das ägyptische Unternehmen „Art D’Egypte“ eröffnet seine Ausstellung mit dem Titel „Forever Is Now“. Es ist die erste internationale Kunstausstellung, die an den Pyramiden von Gizeh und auf dem umliegenden Gizeh-Plateau stattfindet.

Begehrter „alter weißer Mann“

Picasso-Versteigerung : Begehrter „alter weißer Mann“

Die Sammlung des Bellagio in Las Vegas soll diverser werden. Deshalb trennte sich der Betreiber des Luxushotels von elf Werken Picassos. Bei der glamourösen Auktion wechselten sie für mehr als 100 Millionen Dollar die Besitzer.

Topmeldungen

Michael Kaufmann (AfD) im März 2020

Neuer Bundestag : Diesen Kandidaten schickt die AfD ins Rennen

In der vergangenen Legislaturperiode sind sechs Kandidaten der AfD bei der Wahl für das Amt eines Vizepräsidenten des Bundestages durchgefallen. Jetzt kandidiert Michael Kaufmann. Hat er eine Chance?

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.