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Antisemitismus-Streit : Lisa Eckharts falsche Witze

Lisa Eckhart tritt in der ARD des öfteren auf. Bild: WDR

Der Kabarettistin Lisa Eckhart wird Antisemitismus vorgeworfen. Der WDR weist das zurück. Die kritisierten Fernsehauftritte sollte man sich aber schon einmal genauer ansehen.

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          Man könnte meinen, der WDR habe die Seuche. Nicht das neuartige Coronavirus, sondern einen Satire-Infekt, den man in der Karnevalshauptstadt Köln gar nicht vermutet hätte. Zuerst die Pleite mit dem „Umweltsau“-Lied des WDR-Kinderchors, das sich zu „Omagate“ auswuchs, für das sich der Intendant Tom Buhrow entschuldigte und das er viel besser managte, als manche schrillen Kritiker ihm nachsagen, weil er den öffentlich-rechtlichen Rundfunk für dessen Publikum und gegen Leute in den eigenen Reihen verteidigte, die meinen, der Sender gehöre nur ihnen, sei Plattform für allein ihre Ansichten, weshalb auch jede noch so schlechte Satire gutzuheißen sei.

          Im nun aufgeworfenen Fall der Kabarettistin Lisa Eckhart liegen die Dinge etwas komplizierter. Auch wenn der WDR so tut, als sei die Sache eindeutig. Man setze sich seit Jahrzehnten für Meinungsvielfalt und Zusammenhalt in der Gesellschaft ein und stehe zugleich zur Satirefreiheit, ließ der Sender wissen. Lisa Eckhart, deren Bemerkungen über den Weinstein-Skandal oder Woody Allen als antisemitisch aufgefasst wurden, habe inmitten der „MeToo“-Debatte „ein hochaktuelles, für Satire naheliegendes Thema gewählt und Vorurteile gegenüber Minderheiten aufgegriffen, um genau diese Vorurteile zu entlarven“.

          Im Kontext der „MeToo“-Debatte habe die Satire 2018 funktioniert, erst als das Video im November 2019 anlässlich eines Aktionstags für Frauen auf Facebook abermals aufgespielt wurde, habe dies zu Missverständnissen geführt. Kurz zuvor, am 9. Oktober 2019, hatte bekanntlich ein Attentäter die Synagoge in Halle angegriffen und zwei Menschen ermordet.

          Ein Missverständnis scheint uns allerdings zu sein, Lisa Eckharts Einlassungen für unbedingt unbedenklich zu halten, ganz gleich, zu welchem Zeitpunkt und Anlass sie ins Internet geschossen werden: „Wenn die Unantastbaren beginnen, andere anzutasten“, sagte Eckhart bei ihrem „Mitternachtsspitzen“- Auftritt im WDR, bei dem sie darauf einging, dass einige prominente „MeToo“-Verdächtige Juden sind, sei dies „der feuchte Traum der politischen Korrektheit“. Ihre Erkenntnis: „Denen geht’s w’irklich nicht um Geld. Denen geht’s um die Weiber, und deshalb brauchen sie das Geld.“ Es sei „nur gut und recht, wenn wir den Juden jetzt gestatten, ein paar Frauen auszugreifen. Mit Geld ist ja nichts gutzumachen.“

          Dass die elegant auftretende Kabarettistin mit solchen Sätzen Vorurteile entlarvt und nicht nur ausstellt, darf man durchaus bezweifeln. Und mag es mit dem Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung, Felix Klein, halten. In der „Jüdischen Allgemeinen“ nannte er die Sätze der Kabarettistin „geschmacklos und kritikwürdig“. Der Kritik schlossen sich jüdische Organisationen an.

          Der frühere Grünen-Abgeordnete Volker Beck meinte, Lisa Eckhart biete „ein Potpourri aus antisemitischen Klischees und schenkelklopfendem Humor“ an, „bei dem einem das Lachen nur im Halse stecken bleiben kann“. Er legte Programmbeschwerde beim WDR ein. Dem Intendanten Tom Buhrow, der die Aufregung um das „Umweltsau“-Lied zu beherrschen wusste, sollte dazu bei passender Gelegenheit etwas mehr einfallen, als sein Sender jetzt mitzuteilen hatte.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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