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Die Ignoranz der Deutschen : „Stellt euch bitte nicht so an!“

  • -Aktualisiert am

Bevor die Documenta so scheinbar friedlich begann, war der Antisemitismus schon programmiert. Bild: Lucas Bäuml

Juden, die vor Judenfeindschaft warnen, nerven nur. Was Antisemitismus ist, wissen die Deutschen besser. Die vergangenen Monate lieferten ein beispielloses Protokoll der Ignoranz. Ein Gastbeitrag.

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          Als meine Großmutter, Baba, noch lebte, fragte ich sie mal, weshalb sie nach der Schoah ausgerechnet in Deutschland geblieben sei und nicht, wie die meisten anderen Überlebenden aus Polen, nach Kanada, in die Vereinigten Staaten oder nach Israel gegangen war. Ihre Antwort – mehr dazu später – überzeugte mich und wurde teilweise auch zu meiner, wenn ich gefragt wurde, wie es kommt, dass man als Jude nun gerade in Deutschland aufgewachsen ist und weiter hier lebt.

          Die letzten Monate haben mich aber immer mehr zum Umdenken gebracht. Ich beschäftige mich mittlerweile seit fast einem Jahrzehnt täglich mit jüdischem Leben in Deutschland und deshalb auch mit dem Hass auf Juden. Ich bin einiges gewöhnt und nicht leicht aus der Fassung zu bringen. So schlimm das klingen mag: Ein wenig Antisemitismus ist für mich professioneller Alltag. Aber in jüngster Vergangenheit fühle ich mich überrannt von Judenfeindlichkeit und dem Umgang oder eher dem Nichtumgang damit. Es ist, als gäbe es ein kollektives Schulterzucken der deutschen Gesellschaft, wenn es um Judenhass geht. Und da, wo die Schultern nicht zucken, sind viele genervt von den ständig quengelnden Juden.

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