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Antideutsch in Italien : Nachricht über Genozidistan

  • -Aktualisiert am

Venedigs Kulturstadträtin Angela Vettese wettert gegen Deutschland: Permanente Zerstörungswut und unverrückbare Mordlust stehen auf ihrer Liste. Mit dieser Meinung steht sie in Italien nicht alleine da.

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          Was zeichnet uns Deutsche aus? „Sie haben alle fünfzig Jahre versucht, die europäischen Einheitsversuche zu zerstören. Sie haben ununterbrochen Völkermord begangen, von den Wiedertäufer-Rebellen in Münster über die Juden zu den Griechen. Die nächsten sind wir, die Italiener.“ Harte Worte, die nicht von einem nationalistischen Hassflugblatt stammen, sondern von Venedigs Kulturassessorin der Stadt Venedig.

          Angela Vettese, eine der renommiertesten Kunstkritikerinnen Italiens, Ästhetikprofessorin einer Mailänder Eliteuniversität, hat nach einem milde kritischen, ins Italienische übersetzten Artikel der „Süddeutschen Zeitung“ über Venedig ihrem Zorn via Facebook Luft gemacht: „Es ist gut, deutsche Autos zu kaufen, und es ist gut, sich dem neuen Kolonisator zu unterwerfen. So haben wir Italiener es immer gemacht - sich dem Sieger anzupassen, gehört zu unserem Nationalcharakter.“ Der Wutausbruch verschwand nicht schnell genug aus dem Netz, um unbemerkt zu bleiben.

          Im Hass mit der Berlusconi-Presse vereint

          Inzwischen hat auch das Deutsche Studienzentrum, in einem Palazzo am Canal Grande direkt vom Kanzleramt finanziert, irritiert angefragt, wie die Stipendiaten und Wissenschaftler mit dieser Frau weiter zusammenarbeiten können. In der Tat, mit ihren Geschichtskenntnissen wäre Vettese zwar nicht aufs Gymnasium gekommen; dafür aber stimmt sie mit voller Wucht in den anschwellenden antideutschen Bocksgesang am Mittelmeer ein und zeigt sich als Mitglied einer Mitte-links-Verwaltung einverstanden mit der Hasskampagne der Berlusconi-Presse gegen die vermeintliche Unterjochung durch Germania.

          Signora Vettese hat sich für ihren Ausbruch entschuldigt und, um es irgendwie noch schlimmer zu machen, auf ihre besondere Verbundenheit mit der jüdischen Gemeinde verwiesen - als ob dies die rassistische Charakterisierung der Deutschen als geborene Völkermörder hinterher rechtfertigte. Die vornehme „Communità Ebraica“ Venedigs schwieg denn auch pikiert. Doch statt, wie inzwischen italienische Politiker, den Rücktritt der unkultivierten Kulturstadträtin zu fordern, sollte man ihr in Deutschland dankbar sein.

          Denn Vettese spricht immerhin laut aus, was in Italien viele denken. Was der Euro, dominiert von einem italienischen Zentralbankpräsidenten, wirtschaftlich an weiteren Schäden anrichten wird, ist nicht abzusehen. Was er in den Köpfen der Menschen für den nationalistischen Hass in Europa getan hat, lässt sich längst nicht mehr leugnen.

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