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Anthony Scaramucci : The Würstchen of Wall Street

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Intrigen in Brioni

Mit perfekt sitzendem Brioni-Anzug und Ferragamo-Krawatte passt er schon äußerlich nicht in die Riege der eher heruntergekommen gekleideten Führungskräfte im Weißen Haus. Der Mann hat nicht den Auftritt eines drittklassigen Reaktionärs, sondern wirkt wie jemand, dem eigentlich alles egal ist, solange er irgendwie ein paar Millionen machen oder im Fernsehen eine Hauptrolle spielen kann. Die Times nannte Scaramucci „Trumps Mini-Me, der in ganzen Sätzen spricht“. Für einen Auftritt in „Wall Street 2“ überwies er einst 100 000 Dollar an Oliver Stone.

Im Presseraum des Weißen Hauses betont Scaramucci seinen italienischen Arbeiterklasse-Akzent noch mehr als sonst, denn dieser Akzent ist jetzt seine Visitenkarte: Seht her, ich bin in einer Motorradwerkstatt in Long Island aufgewachsen und habe mir meinen teuren Anzug selbst verdient. Mit ehrlicher Arbeit in der Hedgefund-Branche. „Ich liebe Sean. Ich hoffe, dass er jetzt ein Vermögen machen wird“, rief Scaramucci seinem Vorgänger Spicer nach. Viel Geld zu verdienen: In diesem Weißen Haus der einzige Sinn menschlichen Daseins. An Scaramuccis Handgelenk glänzt der überdimensionierte Sportchronograph von Audemars Piguet.

Scaramucci Auf dem Weg zur Pressekonferenz.
Scaramucci Auf dem Weg zur Pressekonferenz. : Bild: AP

Scaramucci kann ja nichts dafür, dass die Geschichte Hollywoods nur so wimmelt von Figuren, die aussehen wie er, die reden wie er und die irgendwann im Laufe des Films einen Widersacher durchsieben und in den Kofferraum stopfen. Wenn man ihm zuhört, werden Erinnerungen an Joe Pesci und Al Pacino wach, auch weil er so oft Drohungen ausspuckt und von sich in der dritten Person spricht.

Alle Verräter rauswerfen

„The Mooch wird die Verräter im Weißen Haus ausfindig machen und sie in den Knast schmeißen lassen“, begann er seine erste Pressekonferenz. Mitte der Woche schien er bereits die Nerven zu verlieren, als die Unterlagen seines finanziellen Hintergrundchecks öffentlich wurden. Um die achtzig Millionen Dollar hatte er verdient, indem er seine Anteile am Hedgefund Skybridge an chinesische Investoren verkauft hatte. Natürlich steuerfrei, weil er einen Regierungssjob antritt.

Für das Leck machte er Reince Priebus verantwortlich. „Ich werde sie alle feuern, das gesamte Team“, sagte er dem Washington-Korrespondenten des „New Yorker“, den er in der irren Hoffnung anrief, dieser würde ihm seine Quelle verraten. „Gestern habe ich einen gefeuert. Für morgen habe ich drei oder vier auf der Liste. In zwei Wochen sind alle weg.“

Ein paar Minuten später: „Weißt du, was ich am liebsten tun werde? Ich würde alle Leaker verfickt noch mal töten. Damit wir die Agenda des Präsidenten wieder in die richtige Bahn bringen.“ Im nächsten Satz: „Ich bin nicht Steve Bannon. Ich versuche nicht, meinen eigenen Schwanz zu lutschen.“ Und zum Schluss (im Originalton, weil es so schön klingt): „Reince is a fucking paranoid schizophrenic, a paranoiac ... ‚Let me leak the fucking thing and see if I can cock-block these people the way I cock-blocked Scaramucci for six months.’“ Der Harvard-Absolvent benutzt die Sprache, die unter Kriminellen und an der Wall Street geläufig ist, eine Sprache, die Trumps Unterstützer hören wollen.

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