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Anschlag auf Salman Rushdie : Mutter des Attentäters bricht mit ihrem Sohn

  • -Aktualisiert am

Ihm zu Ehren: PEN Berlin veranstaltete im Berliner Ensemble eine Solidaritätsveranstaltung für den unlängst auf der Bühne attackierten Salman Rushdie (Archivbild). Bild: dpa

Nach dem Attentat auf Salman Rushdie zeigt der Attentäter keine Reue, sondern preist Khomeini. Seine Mutter verstößt ihn, während der Vater des Angreifers schweigt. Radikalisiert hat sich Hadi Matar offenbar im Libanon.

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          Ein „großartiger Mensch“ sei der iranische Ajatollah Khomeini gewesen, vor dem er großen Respekt habe. Das hat Hadi Matar in einem Interview gesagt, das er aus dem Untersuchungsgefängnis heraus gab. Der 24 Jahre alte Amerikaner, der am Freitag vor einer Woche den Schriftsteller Salman Rushdie mit einem Messer attackiert und schwer verletzt hatte, hat am Donnerstag nicht nur mit Journalisten gesprochen, er trat auch vor den Haftrichter in Mayville, New York. Der Beklagte plädierte dabei auf nicht schuldig; sein Pflichtverteidiger bemühte sich unterdessen darum, einige Vergünstigungen für ihn zu erreichen. Zuvor hatte Geschworene beschlossen, Matar wegen versuchten Mordes anzuklagen. Der mutmaßliche Attentäter lebte in New Jersey und war nicht vorbestraft. Er wurde in Kalifornien geboren und ist Sohn libanesischer Einwanderer. Deren Herkunftsdorf Jaroun soll Berichten zufolge eine Hisbollah-Hochburg sein. Dort habe sich Matars Vater jetzt eingeschlossen und weigere sich, mit Reportern zu sprechen, hieß es.

          Anders verhält sich Matars Mutter, die in den Vereinigten Staaten lebt. Sie hat sich laut amerikanischen Medienberichten von ihrem Sohn losgesagt. Silvana Fardos schilderte ihren Sohn als einen jungen Mann, der immer mehr Zeit in seinem Zimmer verbracht habe. Von einer Reise in den Nahen Osten im Jahr 2018, während der er seinen Vater besucht habe, sei Matar sehr verändert zurückgekehrt. Die Eltern hatten sich 2004 scheiden lassen, der Vater ging zurück in den Libanon.

          Matars Mutter sagte der britischen „Daily Mail“ über die Rückkehr ihres Sohnes vor vier Jahren: „Ich hatte erwartet, dass er motiviert zurück kommt, die Schule zuende macht, einen Abschluss macht und einen Job annimmt. Stattdessen schloss er sich in den Keller ein.“ Sie habe nach dem Attentat Mitgefühl mit Rushdie und dessen Familie, so Fardos. Sie werde nicht mehr mit ihrem Sohn reden. Matar sei voll verantwortlich für seine eigenen Handlungen. Sie habe ihren Sohn nicht zu extremen religiösen Vorstellungen erzogen, sagte Fardos. Mit Bezug auf die Ajatollah Khomeinis Fatwa von 1989, die Matar möglicherweise zu dem Attentat ermunterte, sagte sie: „Ich kenne niemandem im Iran, meine ganze Familie ist hier.“ Auch wenn die damalige iranische Regierung Ende der Neunzigerjahre erklärt hatte, die Fatwa Khomeinis werde nicht umgesetzt, blieb sie doch im Bewusstsein vieler Menschen präsent, was jetzt auf bittere Weise bestätigt wurde.

          Nur ein „paar Seiten“ Rushdie gelesen

          In dem Interview mit der Boulevardzeitung „New York Post“ sagte der mutmaßliche Attentäter, er möge Salman Rushdie nicht, weil dieser den Islam und „unsere Überzeugungen angegriffen“ habe. Von den „Satanischen Versen“ habe er nur ein paar Seiten gelesen. Als Matar im Netz von Rushdies geplantem Auftritt vor der Chautauqua Institution im Westen des Staats New York las, hat er nach eigenen Angaben beschlossen, den Autor bei dieser Gelegenheit anzugreifen. Matar sagte demnach weiter, er sei überrascht, dass Rushdie das Attentat überlebt habe.

          Der Haftrichter verweigerte dem Beschuldigten inzwischen eine Freilassung auf Kaution bis zu seiner Verhandlung. Matars Anwalt hatte argumentiert, dass der mutmaßliche Attentäter keine Vorstrafen habe, aber Richter David Foley folgte dem nicht. Matars Pflichtverteidiger forderte Foley auch auf, etwas gegen die vielen Kontaktversuche von Journalisten zu tun – sein Mandant erhalte hunderte Anrufe von Medien. Die Berichterstattung könne zu einer voreingenommenen Geschworenenjury führen. Der Richter ergriff keine restriktiven Maßnahmen – er ermahnte nur die Verfahrensbeteiligten, keine Interviews mehr zu geben.

          Den Angriff hatte der fünfundsiebzigjährige Salman Rushdie schwer verletzt überlebt. Seine Leber, ein Arm und ein Auge wurden verletzt. Inzwischen befinde er sich auf dem Weg der Besserung, erklärten Rushdies Sohn Zafar und sein Management.

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