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Antisemitismus-Vorwürfe : Luisas Welt

Luisa Neubauer am 9. Mai in der Sendung von Anne Will. Bild: dpa

Wer wissen will, was uns im Wahlkampf erwartet, bekam in der Talkshow von Anne Will einen Vorgeschmack, als Luisa Neubauer auf die Union eindrosch. Dass die Moderatorin dem nicht gewachsen war, ist fatal.

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          Anne Will sollte sich wärmer anziehen. Beziehungsweise darauf einstellen, mit welchen Mitteln der beginnende Bundestagswahlkampf ausgefochten wird. Mit Verleumdung zum Beispiel, wie sie die Fridays-for-Future- und Grünen-Aktivistin Luisa Neubauer betreibt.

          In Wills Sendung am vergangenen Sonntag rückte sie den früheren Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen (der für die CDU in der Tat ein problematischer Bundestagskandidat ist) mal eben nicht nur in die ganz rechte Ecke, sondern unterstellte ihm Antisemitismus. Belege dafür hatte sie nicht parat, als sie den CDU-Kanzlerkandidaten Armin Laschet damit konfrontierte. Doch um die wollte sich die Moderatorin Anne Will kümmern. „Schauen wir uns noch an, versuchen wir zu belegen“, sagte sie.

          Das klang so, als arbeite sie als PR-Agentin für Luisa Neubauer. Dieser Eindruck verstärkte sich noch, als die ARD-Moderatorin später einen „Thread“ – also eine Abfolge von Twitter-Beiträgen –, einer linken Gruppe namens „UnionWatch“ verlinkte, die den lieben langen Tag nichts anderes macht, als CDU und CSU in Sachen Rechtsdrall zu überwachen. Dass Maaßen ein Antisemit sei, lasse sich nicht „rechtssicher“ beweisen, meint diese Truppe, dass er „regelmäßig und seit Längerem Antisemitismus und andere Hetze“ verbreite, dürfe aber als gesichert gelten.

          Auf dieses Framing redete sich nach der Sendung auch Luisa Neubauer heraus, die Armin Laschet bei Anne Will an den Kopf geworfen hatte: „Sie legitimieren rassistische, antisemitische, identitäre und übrigens auch wissenschaftsleugnerische Inhalte, verkörpert durch Hans-Georg Maaßen.“ CDU ist gleich Antisemitismus plus Rassismus plus Identitäre Bewegung plus Querdenker, sollte das heißen.

          Und von der Unterstellung will Luisa Neubauer nicht lassen. „Dass Herr Maaßen selbst ein Antisemit ist, habe ich nicht gesagt“, äußerte sie gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Doch habe er Links zu der Plattform „The Unz Review“ gesetzt, deren Gründer den Holocaust infrage stelle. Zudem verwende Maaßen einen Jargon, welcher der Vorstellungswelt von Rechtsextremisten entspreche. Das ließ sich das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND), das Dutzende von Zeitungen im ganzen Land mit seinen Inhalten beliefert, auch gleich noch von einem Fachmann bestätigen.

          Nicht ganz unwichtig zu wissen ist in diesem Zusammenhang übrigens, dass RND zum Madsack-Verlag gehört. Und in dem spielt über die Beteiligung ihrer Medienholding DDVG (Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft) eine führende Rolle wer? Die SPD. In Wahlkampfzeiten dürfte sich ein solches Investment sicherlich besonders auszahlen.

          Anne Will indes bekam dann doch mit, dass es wohl ein Fehler war, sich an „UnionWatch“ dranzuhängen, löschte den Tweet und entschuldigte sich, wofür sie dann selbstverständlich auch wieder Kritik einstecken musste. Mit „wir“ habe sie sich nicht an die Seite von Luisa Neubauer gestellt, sondern ihre Redaktion gemeint, sagte Anne Will der Süddeutschen Zeitung. Im Nachhinein gesehen, „wäre es besser gewesen, Frau Neubauer stärker damit zu konfrontieren, dass Vorwürfe belegt werden müssen, das ist in der Live-Sendung leider nicht geschehen.“ Für eine Talkshow des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, der unabhängig und unparteiisch sein soll, ist das ein Armutszeugnis.

          Und wo wir schon bei Links und Verweisen sind: Der internationale Instagram-Account von Fridays for Future verlinkte in dieser Woche Beiträge, die angesichts der Raketenangriffe der Hamas auf Israel zum Boykott des Landes aufrufen und Israel „ethnische Säuberung“ unterstellen. Greta Thunberg verbreitete eine Botschaft der kanadischen Journalistin Naomi Klein, die Israel „ein Kriegsverbrechen nach dem anderen“ nachsagt. Wenn das mal nicht Antisemitismus ist, der sich als „Israelkritik“ ausgibt. Vielleicht könnte dazu Anne Will bei Gelegenheit Luisa Neubauer befragen.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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