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„Anke Late Night“ : Quothilde

  • -Aktualisiert am

Wie werden wir Anke Engelke bei ihrer Premiere erleben? Bild: dpa/dpaweb

Der Vorgänger war erst einmal unten durch, bevor er abhob: Die Harald-Schmidt-Show galt zunächst als Ekel-TV und erst später als Kult. Ab wann wäre Anke Engelkes Late-Night-Show, die heute startet, ein Erfolg?

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          So, die Herren, das Spiel ist gemacht, bitte keine weiteren Einsätze! Nachdem Rudi Carrell vor Monaten zehntausend Euro darauf gewettet hat, daß die Late-Night-Show von Anke Engelke scheitern wird, und Olli Dittrich mit dem gleichen Betrag dagegenhielt, hat am Wochenende nun auch Sat.1-Geschäftsführer Roger Schawinski das Casino betreten und den Einsatz noch verdoppelt: Zwanzigtausend Euro wettet er auf einen Erfolg der Sendung "Anke Late Night", die heute Premiere hat. Das Geld soll in jedem Fall einem guten Zweck zugeführt werden, wobei nicht klar ist, ob eine Stiftung für an chronischem Aufmerksamkeitsdefizit leidende alternde holländische Showmaster als solcher gelten würde.

          Es wäre an der Zeit, endlich die Spielregeln festzulegen. Zum Beispiel die Frage, wann das Urteil über "Erfolg" und "Scheitern" gefällt wird. Hätte Rudi Carrell im Sommer 1995 Geld gegen Harald Schmidt gesetzt - er hätte jahrelang als sicherer Wettkönig dagestanden. Die Show riß vertragliche Quotenhürden, wurde von Feuilletons als müde Letterman-Kopie und von Boulevardzeitungen als "Ekel-TV" abgetan, und als der Meister im Gespräch mit dem "Spiegel" im Februar 1996 sagte, er sei "der erste richtige Late-Night-Moderator", erwiderten ihm die Interviewer: "Sie sind nach Gottschalk und Koschwitz eher der dritte Nachtplauderer, der scheitert."

          „Spiegel"-Autor Reinhard Mohr schrieb noch zur 350. Ausgabe der "Harald Schmidt Show", daß der Entertainer "trotz magerer Quoten" als Medienmann der neunziger Jahre "verklärt" werde. Immerhin hatten da viele Feuilletons schon ihre Liebe zu Harald Schmidt entdeckt. Drei Jahre, sagt man bei Sat.1, habe es gebraucht, bis die Schmidt-Show ein Erfolg war. Und selbst danach lief nicht alles rund: Im Sommer 2001 mußte sich der Moderator im "Spiegel"-Gespräch neben einer dramatisch nach unten zeigenden Quotenkurve für die "Krise seiner Show" rechtfertigen, und noch kurz vor der Bekanntgabe seiner "Kreativpause" beklagte das "SZ-Magazin": "Seine Show geht allmählich den Bach runter."

          Ausgelassen?
          Ausgelassen? : Bild: dpa/dpaweb

          Frühes Ende für Koschwitz

          Anders gesagt: Jemand, der vor dem Start Geld auf den Erfolg der "Harald Schmidt Show" gesetzt hätte, hätte verdammt viel Glück haben müssen, den richtigen Stichtag zu erwischen, um seinen Einsatz zurückzubekommen. Nehmen wir als Spielzeitraum vielleicht, der Einfachheit halber, die drei Jahre, die Schmidt brauchte und die zufällig genau der Länge des Vertrages entsprechen, den Sat.1 mit Anke Engelke hat. Vielleicht könnte man schon von einem Erfolg sprechen, wenn "Anke Late Night" diese drei Jahre überhaupt voll machen dürfte, ohne vorher abgesetzt zu werden.

          Thomas Koschwitz durfte unter regulären Bedingungen um 23.15 Uhr bei RTL seine "Nachtshow" gerade mal ein halbes Jahr lang moderieren, bevor der Sender sie wegen schlechter Quoten absetzte (die allerdings immer noch über denen lagen, die Harald Schmidt in den ersten Jahren einfuhr). Auch "Gottschalk Late Night" brachte es auf keine drei Lebensjahre - die vereinbarten siebzehn Prozent Marktanteil seien nicht erreicht worden, hieß es zur Begründung bei RTL. Gottschalks Quoten schaffte später nie wieder eine Late-Night-Show.

          Schicksals-Sendung

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