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Angelina Jolie : Kann man die Angst wegschneiden lassen?

  • -Aktualisiert am

Angelina Jolie hat mit ihrer Brustamputation eine sehr persönliche Entscheidung getroffen. Wer sie deswegen zu einem Vorbild für Frauen machen will, sollte wissen wofür.

          Wenn eine Frau sich aus Angst vor Krebs beide Brüste abnehmen lässt, ist das eine sehr schwere und in jedem Fall sehr persönliche Entscheidung, von der die Öffentlichkeit normalerweise nichts erfährt. Das hätte, wenn sie gewollt hätte, auch für die Schauspielerin Angelina Jolie gelten können. Sie wollte es nicht. Stattdessen schrieb sie darüber einen Artikel für die „New York Times“.

          Es ist, daran muss man vielleicht erinnern, also nicht so, dass die halbe Welt aus Zufall oder aufgrund einer widerlichen Recherche oder Indiskretion nun über die amputierten Brüste von Angelina Jolie spricht, sondern, weil sie es selbst wollte.

          Sie habe die Entscheidung für ihre eigenen Kinder getroffen, schreibt sie in dem Artikel, der sich dann aber an all die ihr unbekannten Frauen richtet, die in einer ähnlichen Lage sind wie sie. „Das Leben stellt viele Herausforderungen“, heißt es darin. „Diejenigen, die wir angehen und kontrollieren könnten, sollten uns nicht ängstigen.“

          Wovon erzählt die Geschichte eigentlich?

          Schaut man sich die Zeitungen daraufhin an, dann ist diese Botschaft angekommen. Überall wird Angelina Jolie für den Mut zu solch einem radikalen Schritt gelobt, ein Vorbild, eine Heldin, die ihr Schicksal in die eigenen Hände genommen hat. Ist das wirklich so? Oder wovon erzählt die Geschichte eigentlich?

          Angelina Jolie hatte keinen Krebs. Ihre Mutter hatte Krebs, sie hat jahrelang gelitten und ist daran gestorben. Als ihre Tochter später einen Gentest machen lässt, stellen die Ärzte ein krankhaft verändertes Gen fest, das die Wahrscheinlichkeit, Brustkrebs zu bekommen, erhöht, in ihrem Fall auf erschütternde 87 Prozent. Ihr Risiko für Eierstockkrebs liegt bei 50 Prozent. Daraufhin entschließt sie sich zu jener Operation, für die sie nun zur Ikone im Kampf gegen den Brustkrebs gemacht wird.

          Man wünscht keiner Frau, dass sie vor einer solchen Entscheidung steht. Aber sollte es so sein, dann erklärt man ihr hoffentlich, dass jeder Fall anders ist und sich Mut nicht allein in Amputation ausdrückt. So bezieht sich das Risiko, wie es der Gentest angibt, auf die gesamte Lebensspanne.

          Sie hat offenbar nicht warten wollen

          Das bedeutet, das Angelina Jolie irgendwann mit hoher Wahrscheinlichkeit an Krebs erkranken wird; es heißt nicht, dass das sofort oder bald geschieht, im Gegenteil. Die Wahrscheinlichkeit nimmt mit dem Alter zu, bei einer Fünfunddreißigjährigen mit derselben Genmutation liegt sie nur bei etwa zwei Prozent. Dieser Unterschied kann über Jahre entscheiden, in denen der medizinische Fortschritt neue Verfahren entwickelt hat. Aber darauf hat Angelina Jolie offenbar nicht warten wollen.

          Sie hat den Fortschritt nur dafür eingesetzt, in ihre Gene zu schauen, als sähe sie dort ihr Schicksal. Was die Vorsorge oder die Behandlung einer möglichen Krankheit angeht, scheint sie ihm nicht zu vertrauen. Da wählt sie eine Methode, die fast schon archaisch wirkt.^Aber die Operation richtet sich in Wirklichkeit auch nicht gegen den Krebs, der nicht ausgebrochen ist, oder gegen das Risiko, dem auch anders zu begegnen wäre. Es ist die Angst, die weggeschnitten werden soll. Angelina Jolie mag dafür ihre ganz persönlichen Gründe haben, und sie sollen auch alle gelten. Nur eben nicht für alle.

          Man fragt sich nur, wieso eine Frau, die einerseits als sechsfache Mutter immer wieder in Krisengebiete fährt und ihrer Familie Briefe hinterlässt für den Fall, dass sie nicht zurückkommt, und die sich andererseits aus Angst, frühzeitig zu sterben, das Symbol ihrer Weiblichkeit abnehmen lässt, von den Medien zum Vorbild für Frauen erklärt wird, als gebe es diese Widersprüche nicht.

          Die Firma, Myraid Genetics, bei der sie sich untersuchen ließ, ist in Amerika übrigens die einzige, die den Test anbietet. Ihr Labor hatte die Risiko-Gene vor Jahren als erste entdeckt und sich patentieren lassen. Für jeden Test kassiert sie nun 3000 Dollar. Nach Veröffentlichung des Artikels stiegen die Aktien der Firma um fast sechs Prozent.

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