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Angela Merkels Ruf im Ausland : Wer ist diese Frau?

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„Europas gefährlichster Führer“: die britische Wochenzeitung „New Statesman“ macht aus der deutschen Bundeskanzlerin einen weiblichen Terminator Bild: Repro New Statesman

Hierzulande ist Angela Merkel die tapfere Kämpferin gegen Eurobonds. Aus dem Ausland schlägt ihr Abneigung, Groll und Argwohn entgegen. Sechs europäische Schriftsteller und Intellektuelle beantworten die Frage: „Wie sehen Sie Angela Merkel?“

           

          Die Tante

          John Banville, Irland

          Was auch immer wir am Ende sagen, wir mögen ihr schlichtes Aussehen, ihre molligen Schultern und vollen Wangen und diesen leicht melancholischen, leicht ironischen Zug um ihren Mund, wenn sie lächelt. Sie hat weniger von einer Mutter als von einer Tante, einer, die eher nach Seife als nach Parfüm riecht, die uns zwar nicht abküssen und herzen würde, aber trotzdem nie einen Geburtstag vergäße, und die uns zu Weihnachten immer ein Scheinchen zustecken würde, nicht zu groß, aber trotzdem sehr willkommen. Tante Angela, die immer da gewesen wäre, als wir noch jung waren, die wir aber, wie uns jetzt klar wird, nie richtig gekannt haben.

          Weil sie eben wirkt wie die Frau, die nicht da ist. Es könnte gut sein, dass sie ihre Nächte mit wilden Gelagen verbringt, dabei ihren Bierkrug auf den Tisch haut und nach lauterer Musik ruft - erinnern Sie sich an das außergewöhnlich tief ausgeschnittene Kleid, das sie zu einem ihrer ersten offiziellen Termine trug? Schön für sie, wenn’s so wäre, ginge uns auch gar nichts an, aber unwahrscheinlich. Eher stellt man sich vor, wie die Uhr Mitternacht schlägt und sie über ihren Schreibtisch gebeugt sitzt, im Lichtkegel einer Lampe, still bei der Arbeit, die Zahlen addierend.

          Das Problem ist, dass sie will, dass wir besser sind, als wir sind. Sie will, dass wir die Süßigkeiten und das Ale aufgeben, oder uns zumindest mäßigen, nicht zu viel essen, nicht zu viel trinken, bis uns schlecht wird, wie wir es schwindelerregende zehn Jahre lang und länger gemacht haben, vor 2008, als wir dachten, dass wir Geld hätten und es niemals ausgehen würde. Na, na, na, sagt Tante Angela und wedelt mit einem Finger, an dem kein Schmuck steckt. Na, na, na. Sie hat natürlich recht, wir wissen das und nehmen es ihr übel.

          Vor der irischen Volksabstimmung zum Fiskalpakt warnt ein Plakat vor Merkels Vorhaben.

          Es war klug von ihr, nicht den Namen ihres Mannes anzunehmen, weil die englischsprachigen Boulevardblätter sie sicher mit Begeisterung The Sauer Kraut genannt hätten.

          Wir verlangen von unseren Politikern, dass sie entschlossen, konsequent und unbeirrt klug sein sollen, aber im tiefsten Inneren wünschen wir uns, dass sie doch ein bisschen wären wie wir, unsicher, glücklich blöde, schnell wankelmütig. Frau Merkel hat auch schon mal gewackelt, aber auf uns wirkt sie bemerkenswert - manche würden sagen erschreckend - zielstrebig. Es kann sein, dass sie uns vor dem totalen Ruin bewahrt, aber allüberall hört man es rufen: Oh Tante Angela, die Medizin schmeckt so bitter!

          Übersetzt von Tobias Rüther

          Vom irischen Schriftsteller John Banville, 66, erschien zuletzt „Unendlichkeiten“ (Kiepenheuer & Witsch).

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