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Angela Merkels Ruf im Ausland : Wer ist diese Frau?

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Betrachten wir etwas noch viel Offensichtlicheres, was wir aber leicht vergessen, nämlich, dass der europäische Sport par excellence nicht Fußball heißt, sondern Krieg. Das letzte Jahrtausend hindurch haben wir Europäer uns gegenseitig umgebracht, ohne uns auch nur einen einzigen Monat Pause zu gönnen, und auf alle möglichen Weisen: in hundertjährigen Kriegen, in dreißigjährigen Kriegen, in Bürgerkriegen oder Religionskriegen oder ethnisch motivierten Kriegen oder in Weltkriegen, die eigentlich und in Wahrheit europäische Kriege waren. Einige vernünftige Leute fanden nach dem unübertroffenen Gemetzel des letzten großen europäischen Krieges, es sei genug. Mit dem Ergebnis, dass wir die ersten Europäer sind, die keinen Krieg oder zumindest keinen Krieg unter europäischen Mächten mehr kennen.

Natürlich glauben manche, ein neuer Krieg in Europa sei inzwischen unmöglich. Ich glaube das nicht: Das Außergewöhnliche in Europa ist nicht der Krieg, sondern der Frieden. Es reicht schon, dass Probleme auftreten wie jetzt, und schon blüht wieder der Nationalismus auf, der stets die Hauptursache aller europäischen Kriege war. Schon allein, um mit alldem Schluss zu machen, lohnt sich ein vereinigtes Europa.

Glaubt Angela Merkel das auch? Ist sie sich der enormen Verantwortung bewusst, die Deutschland für die Errichtung Europas hat und für die sich alle Opfer - von Deutschen und Nichtdeutschen - lohnen? Es besteht kein Zweifel, dass viele deutsche Politiker - etwa Helmut Kohl und Hans-Dietrich Genscher, um nur diese beiden zu nennen - sich dessen bewusst waren. Ist Angela Merkel es auch?

Übersetzt von Paul Ingendaay

Der spanische Schriftsteller Javier Cercas, geboren 1961, veröffentlichte zuletzt „Anatomie eines Augenblicks“ (S. Fischer).

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Die gute Hausfrau

Mario Fortunato, Italien

Im Unterschied zu vielen meiner Landsleute habe ich Sympathie für Angela Merkel. Mir gefällt diese Anmutung einer schlichten, ganz konkreten Person, bei der nur die Freundschaft mit dem Ex-Präsidenten Frankreichs, Nicolas Sarkozy, eine besorgniserregende Neigung zu schlechter Gesellschaft signalisierte. Im Grunde aber kann ich mit ein paar Millionen Deutschen sagen, dass Frau Merkel auf mich wie eine gute Hausfrau und Mutter wirkt, die ihre Ausgaben im Griff hat und deshalb in der Lage ist, auf all diese Halunken Acht zu geben, die, mit der Entschuldigung eines Sonderverkaufes, in Wirklichkeit nur den nächsten Kürzungsbetrug einfädeln wollen.

Tatsache ist, dass Frau Merkel auch die politische Führungsfigur eines der wichtigsten Länder der Welt ist. Die Sympathie (ein irrationales Gefühl mit großer Ausdehnung) bleibt; was ich allerdings wenig begreife, ist ihre politische Vision. Frau Merkel sagt wiederholt, sie sei eine überzeugte Europäerin, und aus der aktuellen wirtschaftlichen Krise käme man nur mit „mehr Europa“ heraus und indem man das Geld schütze. Sie hat recht, das zu denken und zu sagen: Deutschland hat dank Europa das Gewicht der Wiedervereinigung stemmen können, und es hat im letzten Jahrzehnt dank des Euros, in Begriffen der Ökonomen gesprochen, außerordentlich gut verdient.

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