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Angela Merkels Biographie : Der KGB im Laufstall

  • -Aktualisiert am

Schreitet zum Kabinettstisch: Angela Merkel Bild: dpa

Ralf Georg Reuth und Günther Lachmann beleuchten in ihrem Buch die DDR-Vergangenheit der Kanzlerin und kommen zu neuen Erkenntnissen, die gar keine sind. Abstrus. Oder doch nicht?

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          Angela Kasner, die später einen gewissen Herrn Merkel heiraten und dessen Namen annehmen sollte, diese junge Frau war nach Recherchen von Ralf Georg Reuth und Günther Lachmann für ihr eben erschienenes Buch „Das erste Leben der Angela M.“ in der sogenannten Freien Deutschen Jugend der sogenannten DDR aktiv und hatte dort ihren Spaß. Wie passt das zu ihrer späteren Aussage als Ministerin: „Ich war gerne in der FDJ“? Passt eigentlich ganz gut - zu gut! Weiter: Ihre erste Eheschließung, so fanden die Autoren heraus, wurde verdächtig konventionell zelebriert, mit Gästen und so. Die zweite hingegen „fast schon konspirativ“. Besonderes Kennzeichen dieses Verschleierungswunsches: Das Paar ließ am 2. Januar 1999 in dieser Zeitung eine „unscheinbare“ Anzeige veröffentlichen. Da ist es wieder: Man heiratet und schaltet eine Eheanzeige, das passt doch fast zu gut.

          Bei Angela Merkel ist den Autoren alles verdächtig, insbesondere dieses enervierend Unverdächtige. Nehmen wir nur mal die Grundschulzeit des Mädchens: „Ihre Schulzeit war insgesamt so unaufgeregt, dass den meisten dazu heute nur Belanglosigkeiten einfallen.“ Auch die Kleinkindzeit liegt in einem verdächtigen Nebel beziehungsweise gerade nicht, denn dass Merkel noch so viele Details aus ihrer frühen Kindheit weiß, während die meisten Menschen diese doch vergessen haben, also das finden die Autoren auch wieder komisch. Die mächtigste Frau der Welt lernte erst relativ spät laufen und mutmaßte dazu: „Vielleicht lag es daran, dass ich als kleines Kind meistens im Laufstall saß.“ Die Autoren kommentieren: „Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Vermutlich war es so. Aber es könnte auch anders gewesen sein. Eigentümlich verschwommen und auch widersprüchlich äußert sie sich über die DDR.“

          Ist alles Dialektik?

          Denn Angela Merkels Laufstall stand in der DDR, darum - auch das passt wieder zu gut - lernte sie später Russisch. Sie spricht es bei Gelegenheit auch heute noch, etwa mit Dietmar Bartsch vor einer Fernsehsendung, womit die Autoren Merkels Hang zur Geheimniskrämerei belegen. Das finden aber nur jene, die kein Russisch können. Alle Russen und sehr viele Deutsche könnten so ein Geheimnis sofort enträtseln. Am Ende war es also gar keins. Oder gerade doch? Fakt ist: Die Kommunisten haben uns mit ihrer diabolischen Dialektik den Kopf ganz wirr gemacht, und die Autoren dieses Buches sind der Beleg dafür.

          Wussten Sie, wie der Bruder von Angela Merkel seine Schwester nennt, laut einem im Buch zitierten acht Jahre alten taz-Artikel? „Er nennt sie ,meine Schwester’.“ Daraus lesen die Autoren eine Entfremdung der Geschwister. Und weswegen? Weil der Bruder gegen die Einheit war, Angela aber nicht. An anderer Stelle aber erklären sie den Sturz von Helmut Kohl nicht etwa mit der CDU-Spendenaffäre, sondern mit Angelas FDJ-Reflex: „Fast könnte man glauben, hier wirkte bei Angela Merkel ein tief aus ihrem Inneren kommender Reflex nach, denn sie hatte die deutsche Einheit, für die der Name Helmut Kohl steht, ursprünglich ja gar nicht gewollt.“

          Gewollt gegen den Bruder und abgelehnt gegen Kohl? Auch Merkels Vater taucht in dem Buch bald als „der rote Pastor“, bald als „der Klassenfeind“ auf, der die Templiner Mopsaffäre inszenierte. War der Mops konterrevolutionär, oder ist alles Dialektik? Dieses unfreiwillig komische Buch ist als Symptom einer Zeit zu lesen, in der sich dieses Land mit sich selbst zu langweilen begann, so sehr, dass man auf der Suche nach einem Gesprächsthema im Laufstall der späteren Kanzlerin nach Spionen stöberte.

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