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Androidenforschung : Wer kauft sich schon ein mechanisches Kind?

  • -Aktualisiert am

Träumen elektrische Schafe von ihr? Die Chancen stehen gut für den japanischen Androiden Geminoid Bild: Nick Hannes/Reporters/laif

Vom beschränkten Nutzen der Imitate: Androiden tragen Verwirrung in die Welt - und sind doch bloß Kopien. Dabei haben Roboter viel mehr Potential.

          Von Robotern mit menschlichem Antlitz geht eine eigentümliche Faszination aus. Da ist Jules, ein freundlicher junger Mann mit leicht androgynen Zügen. Er sei stolz, an einer Revolution in der Robotik teilzuhaben, erklärt er. Diese Revolution werde uns Roboter bescheren, die von Menschen kaum noch zu unterscheiden sind. Intelligent werden sie sein, vielleicht sogar intelligenter als der Mensch, diesem, der Zivilisation und der Natur aber liebevoll zugewandt. Jules’ Gesicht ist täuschend echt, doch seine eckigen Bewegungen und sein offener Hinterkopf verraten ihn als Androiden, als Angehörigen jener neuen Roboterspezies, die mit dem Ziel gebaut wird, dem Menschen äußerlich so ähnlich wie möglich zu sein - auch wenn sie ferngesteuert werden muss.

          Die Vision von den freundlichen Übermenschen, die uns helfen, die Welt zu retten, ist die Vision von David Hanson, Gründer von Hanson Robotics, der Jules gebaut hat. Humanlike Cognitive Robotics nennt Hanson seine Disziplin, eine „Superdisziplin“, in der Robotik mit Neurowissenschaft und Kunst zusammenfinde. Den Androiden aus dem Labor von Hiroshi Ishiguro am Department for Adaptive Machine Systems der Universität Osaka hängen keine Kabel aus dem Hinterkopf.

          Kommunikation über Gesichtsausdrücke

          Die von der Tokioter Kokoro Company gebauten Androiden sind gut gekleidet, ihre Haare hat ein Profi geschnitten - und sie sind lebenden Menschen nachempfunden. Der erste ist das Abbild des Meisters selbst. Bei Ishiguros Androiden brauchen Menschen einige Sekunden, um festzustellen, dass sie es nicht mit Mitmenschen zu tun haben: „Der Frau geht es nicht so gut, oder? Was, ein Roboter? Wollen Sie mich auf den Arm nehmen?“

          Jenseits des alten Traums, Menschen zu bauen, statt bloß Kinder in die Welt zu setzen, gibt es gute Gründe, Roboter menschenähnlich zu machen. Was nützt ein Haushaltsroboter, der zu klein ist, um die Tassen aus dem Schrank zu holen, oder zu groß, um durch die Tür zu passen? Und anders als ein mit Knöpfen übersäter Kasten benötigt ein menschenähnlicher Roboter kein Benutzerhandbuch, sondern kann intuitiv bedient werden. Durch die menschenähnliche Gestalt glaubt der Mensch zu wissen, welche Reaktionen er vom Roboter zu erwarten hat, und umgekehrt wissen die Robotiker, welches Verhalten der Mensch der Maschine gegenüber an den Tag legen wird.

          Außerdem kennen Menschen einen genialen Trick, blitzschnell zahlreiche Informationen weiterzugeben, ohne auch ein Wort zu verlieren: indem sie Emotionen durch Gesichtsausdrücke kommunizieren. Auf diese Möglichkeit möchten Robotiker umso weniger verzichten, je komplexer ihre Maschinen werden. Nur wenn Roboter menschliches Verhalten verstehen und sich ihm anpassen können, werden sie als Teil unseres Alltags eine Chance haben.

          Verkörperte Theorien des Menschen

          Das alles sind gute Gründe, Roboter menschenähnlich zu machen, doch Argumente für die Mimikry der Androiden sind es nicht. Denn silbern glänzende Roboterfinger können eine Spülmaschine ausräumen, und Menschen erkennen Emotionen zuverlässig schon in sehr stark vereinfachten Gesichtern. So wie bei eMuu, einer Gestalt von der Form eines Wassertropfens, mit einem einzigen großen Auge in der Mitte, einer beweglichen Augenbraue darüber und einem Strichmund darunter. Oder bei Kismet mit seinen Lippen aus roten Gummischläuchen, seinen unübersehbar mechanischen Augen und seinen papierenen Schweinsöhrchen.

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