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Gewandhausorchester in Asien : Offenbarung am Fuji

Andris Nelsons dirigiert die fünfte Symphonie von Anton Bruckner in der Suntory Hall in Tokio. Bild: Dirk Steiner/Gewandhaus Leipzig

Was finden die Japaner an Musik von Anton Bruckner? Was hören die Chinesen bei Peter Tschaikowsky? Das Gewandhausorchester Leipzig und Andris Nelsons begeistern die Hörer in Fernost und lehren den Westen das Nachdenken.

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          Also gut: Vergiss Amerika! Die Zukunft wird jetzt hier gemacht. Hier, wo 26 Millionen Menschen leben und noch in den Bettenburgen ihrer Trabantenstädte von Grünanlagen und geschlängelten Flussläufen umgeben sind. Hier, wo Hochhäuser wirklich an den Wolken kratzen und man zwischen ihnen auf Brücken von Mall zu Mall flanieren kann, ohne vom Autoverkehr behelligt zu werden. Hier, wo es selbst am Boden still zugeht, gefährlich still, weil man die Mopeds mit ihren Elektromotoren erst bemerkt, wenn man fast auf deren Lenker liegt. Wenn man Schanghai gesehen hat, verschiebt sich das Maß dessen, was „Stadt“ ist oder sein kann. Der Westen hat angesichts dessen, was hier passiert, allen Grund, jedes Überlegenheitsgefühl ins Museum seiner selbstverschuldeten Unwissenheit zu stellen.

          Jan Brachmann
          Redakteur im Feuilleton.

          Im Oriental Arts Center spielt das Gewandhausorchester Leipzig unter der Leitung seines neuen, jungen Chefdirigenten Andris Nelsons. Was hatte man nicht alles vorab erzählt über das chinesische Publikum! Vor Jahren habe es im Konzert noch gegessen, sich laut unterhalten, telefoniert oder sei zwischen den Sitzreihen spazieren gegangen. In Schanghai ist davon nichts mehr zu merken. Es ist mucksmäuschenstill, als die Kontrabässe den Anfang zum ersten Violinkonzert von Dmitri Schostakowitsch spielen. Nelsons hatte ihnen in der Probe gesagt, sie müssten in Bruchteilen von Sekunden das Publikum in eine andere Atmosphäre hineinziehen, weg aus dem Lärm und der Zerstreuung des Alltags in Stille, Dunkelheit, Konzentration, fast Beklemmung. Es gelingt. Sofort, ohne Verzögerung. Als Baiba Skride auf der Geige ihre Solokadenz spielt, Musik des seelischen Verschollenseins, herrscht atemlose Schockstarre im Saal. Wie kommt das?

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