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Anders Breivik : Nicht rechts, nicht links, nur böse

  • -Aktualisiert am

Die Maske des Bösen des Unabombers. Auch sie wurde bei einer Online-Auktion im Mai 2011 angeboten, deren Erlös den Familien seiner Opfer zugute kommen soll Bild: dapd

Was wäre ein besserer Test auf geistige Klarheit als die Fähigkeit, sich ein Ziel zu setzen, einen entsprechenden Plan auszuarbeiten und ihn auszuführen? Weshalb ich den Massenmörder von Oslo nicht „geistesgestört“ nenne.

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          Im Herzen bin ich bei den Trauernden in Oslo. 1993 war ich das Ziel eines Briefbombenanschlags durch den sogenannten „Unabomber“, der einer der Helden des Mörders von Oslo zu sein scheint. Nichts ist feiger und böser als ein Terroranschlag, von dem unbewaffnete, unschuldige Menschen überrascht werden, ohne dass sie die geringste Chance hätten, sich zu verteidigen oder auch nur einen Gedanken zu fassen, bevor ihr Leben beendet oder für immer ein anderes ist.

          Ich bin kein „Opfer“ und werde nie eines sein – „Opfer“ ist man nur, wenn man es sein will –, und ich verfüge weder über besondere Kenntnisse noch über einen besonderen moralischen Rang, nur weil mich ein amerikanischer Terrorist angegriffen hat. Aber im Herzen bin ich bei den Trauernden in Oslo.

          Ich hatte Glück. Bei seinem nächsten Anschlag ermordete Anders Breiviks amerikanischer Terroristenheld einen Mann, indem er ihn mit einer Splitterbombe in seiner eigenen Küche in Stücke riss. Zurück blieben seine Witwe und zwei kleine Kinder. Hätte Anders Breiviks Held etwas mehr Glück gehabt, wären auch sie gestorben.

          Der Mörder ist ganz auf sich allein gestellt

          Wer den Massenmörder von Oslo „geistesgestört“ nennt, nennt ihn auch „nicht schuldig“, bevor der Prozess überhaupt begonnen hat. Entweder er war geisteskrank, oder er war böse. Man kann nicht beides zugleich sein. Mein Eindruck ist, dass er böse und voll zurechnungsfähig war. Er ersann einen komplizierten Plan, setzte ihn einwandfrei um und hatte vollen Erfolg damit – heute diskutiert die ganze Welt über ihn, ganz wie er es wollte. Was wäre ein besserer Test auf geistige Klarheit als die Fähigkeit, sich ein Ziel zu setzen, einen entsprechenden Plan auszuarbeiten und ihn auszuführen?

          Wir lernen nichts Neues durch den Mörder von Oslo – weder über Christen, rechte oder linke, noch über die europäischen Gegner muslimischer Einwanderung, noch über die europäischen Gegner einer freiwilligen muslimischen Apartheid. Denn alle diese Gruppen verurteilen den Mörder und wollen nichts mit ihm zu tun haben. Der Mörder ist ganz auf sich allein gestellt.

          Die Amerikaner haben nicht vergessen, wie die Palästinenser im Westjordanland auf den Straßen tanzten, als vor zehn Jahren Tausende von Männern, Frauen und Kindern ermordet wurden. Ein Terrorakt im Namen des Dschihad löste öffentliche Bekundungen von Stolz und Freude unter Dschihadisten auf der ganzen Welt aus. Kein dschihadistischer Terrorist war jemals so auf sich allein gestellt, wie Breivik es ist.

          Dieser Angriff sollte Norwegen vor einer Unterwerfung unter den Islam bewahren. Breivik gleicht also jenen spanischen Loyalisten, die in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts dafür kämpften, Spanien vor einer Unterwerfung unter den Katholizismus zu bewahren? Er ist ein Linker? Nein, ein Rechter, nur anders als die dschihadistische Rechte.

          Politische Überzeugungen sind irrelevant

          Alles, was hier zählt, ist aber, dass es zwar viele verschiedene Formen von rechts und links gibt, jedoch nur eine Form des Bösen. Alle Taten, die aus reiner Bosheit begangen werden, sind letztlich ein und dieselbe Tat. Die politischen Überzeugungen eines Mörders sind irrelevant. Durch seine Morde hat er das Recht verwirkt, als links oder rechts, christlich oder islamisch oder irgendetwas anderes denn als böse bezeichnet zu werden.

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