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Philosophie : Ein Schisma in der Philosophie?

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„Der Denker“ (1903) von Auguste Rodin im Garten des Musée Rodin in Paris Bild: Reuters

Tobias Rosefeldt hält die analytische Methode für das Maß der Dinge in der Philosophie. Doch wer historische Philosophen zu bloßen Epigonen und Analytiker zu kristallklaren Selbstdenkern erklärt, stellt Karikatur gegen Wunschbild. Eine Replik.

          Darauf haben viele schon lange gewartet: einmal von kompetenter Seite gesagt zu bekommen, was es mit systematischer und besonders analytischer Philosophie auf sich hat und was von den Klagen mancher Vertreter des Faches Philosophie an deutschen Universitäten zu halten ist, mit denen sie „das Gespenst eines Weltsiegs der analytischen Philosophie und eines Massenexodus der geschlagenen kontinentalen Philosophie“ (Manfred Frank) an die Wand malen. Aufgeklärt werden wir von Tobias Rosefeldt, der in einer Replik auf Franks Sorgen mit einer Analyse des Zustands der Philosophie an den Universitäten in Deutschland aufwartet, die auch dazu dienen soll, Franks Ängste zu relativieren. Die Relativierung gelingt Rosefeldt überzeugend. Er hat recht, wenn er gegen Frank darauf hinweist, dass es um Forschung und Lehre auf dem Gebiet der Philosophie Kants und der idealistischen Nachkantianer gar nicht so schlecht bestellt ist.

          Dennoch stimmt ebenfalls, was Frank konstatiert: Irgendwie scheint sich im deutschen akademischen Philosophieren ein Stil durchzusetzen, der weniger stark durch eine Auseinandersetzung mit Positionen in der Geschichte der Philosophie geprägt ist, sondern sich primär durch die Kultivierung eines gewissen ahistorischen, „szientifisch“, kurz: „analytisch“ genannten Gestus auszeichnet. Auch Rosefeldt leugnet das Phänomen nicht. Er sieht in ihm aber die Folge einer von ihm als historisch gepriesenen Leistung „der Ausdifferenzierung in historische und systematische Forschung“, in deren Gefolge sich eine „analytische“ Denkweise in der systematischen Philosophie durchgesetzt hat. Befremdlich ist dabei, wie Rosefeldt die Unterscheidung zwischen historischer und systematischer Forschung verstanden wissen will. Hier seine Charakterisierung: „In der historischen Philosophie versucht man zu verstehen, was ein bestimmter Autor behauptet, wie er es begründet und ob das, was er sagt, plausibel ist. Systematisch zu philosophieren heißt dagegen, selbst eine philosophische Frage zu beantworten und die Schriften anderer Autoren nur dazu zu verwenden, dies auf die beste mögliche Weise zu tun.“

          Zweierlei ist befremdlich: So dargestellt, insinuiert die Unterscheidung zwischen historischer und systematischer Philosophie zum einen, dass der historisch orientierte Philosoph nicht selbst denkt, sondern sich damit begnügt, traditionellen Autoritäten das Privileg des Selbstdenkens zu überlassen, während der systematische Philosoph den Mut hat, sich seines eigenen Verstandes „ohne Leitung eines anderen“ (Kant) zu bedienen. Auf diese Weise wird aus einer deskriptiven Unterscheidung eine normative Alternative: Orientierst du dich historisch in der Philosophie, machst du dich zum Knecht der Tradition, philosophierst du systematisch, gehst du das Wagnis der Aufklärung ein (das Kantische „Sapere aude“), nur deiner eigenen Einsicht zu folgen.

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